Kreuzzüge sind nicht nur ein Phänomen des 12. und 13. Jahrhunderts in der Levante. Diese Form religiös überformter Kriege durchzieht die europäische Geschichte vom Hochmittelalter bis in die Neuzeit. Franco Cardini und Antonio Musarra legen die erste Gesamtdarstellung europäischer Kreuzzüge vor, die die Thematik in ihrer ganzen Breite erfasst: militärisch, politisch und kulturell. Vom ersten Aufkommen des Kreuzzugsgedankens über den Kampf gegen Häresien, Luthers "Türkenbriefe" bis zur neuzeitlichen Verteidigung der balkanischen und mediterran-östlichen Grenzregionen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.08.2022
Rezensent Andreas Kilb wird nicht glücklich mit der Geschichte der Kreuzzüge, wie die Mittelalterhistoriker Franco Cardini und Antonio Musarra sie nachzeichnen. Abgesehen von der erweiterten Perspektive auf den "Kreuzzuggedanken", den die Autoren laut Kilb bis ins 20. Jahrhundert verfolgen und den sie auch aus zeitgenössischen Quellen betrachten, versäumt es das Buch laut Kilb weitgehend, eine arabische Sicht auf das Thema zu präsentieren. Dass Cardini und Musarra den Dschihadismus als "demagogische Position" brandmarken und dabei außer acht lassen, dass auch die Kreuzzüge ein Instrument von Demagogen waren, gefällt Kilb zudem überhaupt nicht. Was die Aufmachung des Bandes betrifft, gibt Kilb schließlich zu bedenken, dass eine historisch willkürliche Bebilderung wie im vorliegenden Fall der Geschichte gewiss nicht gerecht wird.
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