Bilder von Krieg und Nation - das sind die Vorstellungen, die es im bürgerlichen Deutschland zur Zeit der Einigungskriege über das Wechselspiel von militärischer Aktion und nationaler Identität gegeben hat. Diese Zeugnisse demonstrieren, wie stark der Nationsbegriff von militärischen Denkmustern durchdrungen war und wie entschieden das Bild und der Mythos der Einigungskriege die Konzepte für den Aufbau des Nationalstaates und für die nationale Selbstdefinition prägte. Insbesondere der deutsch-französische Krieg von 1870/71 geriet zu einem politischen Mythos, an den sich zentrale soziale Leitideen knüpften. Im Ergebnis stellt sich der bürgerliche Militarismus des Kaiserreichs in einem veränderten Licht dar. Er war weniger Ausdruck von Untertanengeist, als vielmehr selbst moderner Ausdruck einer selbstbewussten Teilhabe der bürgerlichen Schichten am neuen Nationalstaat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.08.2001
Frank Becker versucht laut Michael Salewski die drei Kriege Bismarcks so darzustellen, wie sie das zeitgenössische Bürgertum selbst erlebte und in allerlei Kunstproduktionen bereits für die Nachwelt bebilderte. Die vielfältigen Selbstwahrnehmungsformen und Mythenbildungen, die an dieser "Konstruktion von Wirklichkeit" beteiligt waren, sind vom Autor in umfassender Weise rekonstruiert worden, lobt der Rezensent. Hierfür sammle der Autor gemäß den Forderungen neuerer Theorieansätze alles neben den herkömmlichen Quellengruppen relevante Material. Dabei könne er etwa so manchen in der Forschung verfestigten Thesen zur staatspolitischen Rolle des Bürgertums plausibel widersprechen. Daneben sei ihm eine beeindruckende Ikonographie der Kriegsdarstellungen von 1870/71 gelungen. Sich Gedanken zu machen über die erkenntnistheoretische Anlage der Studie, die nämlich in die Nähe eines "multidimensionalen Relativismus" gerate, ist für Salewski ein weiteres Verdienst Beckers.
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