Frank Huyler erzählt von den Spuren und Irritationen, von den Augenblicken des Glücks und den Momenten der Hilflosigkeit, die die oft dramatische Arbeit eines Notarztes begleiten. Keine göttergleichen Ärzte und lebenskluge Patienten à la Emergency Room oder Chicago Hope spielen hier die Hauptrolle. Und vielleicht ist gerade dies das eigentlich Verstörende an Huylers Erzählungen: Zu erkennen, daß offenbar weder Arzt noch Patient zum Helden taugen. Ein Portrait der heutigen Medizin und ein Psychogramm der Begegnungen und Gefühle von Arzt und Patient.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 15.11.2001
Eine gewisse Bewunderung schwingt mit, wenn Harro Albrecht anlässlich seiner Besprechung von Frank Huylers "Notaufnahme" fragt, wann bloß der Autor - bei seinem tagtäglichen Kampf um das Leben seiner Patienten - auch noch die Zeit finde, das alles aufzuschreiben. Die teils recht drastischen Geschichten zwischen "Reanimation und Leichenschauhaus" hat Huyler, wie unser Rezensent lobend konstatiert, "nüchtern", mit "leichter Hand" und ohne moralisch erhobenen Zeigefinger niedergeschrieben. Albrecht hebt insbesondere hervor, dass Huyler in seinen Geschichten darauf verzichtet, sich in der Art von "Sauerbruch-Verfilmungen" als Helden zu stilisieren oder "das Pathos von Fernsehserien wie Chicago Hope" zu übernehmen. Auch dass sich Huyler des kalten Zynismus des unter Jungmedizinern als Kultbuch gehandelten "House of God" von Samuel Shem enthält, findet Albrechts Anerkennung. Wo Shem unter dem immensen Druck verrohe, reagiere Huyler distanziert: "Manchmal besinnlich, gelegentlich melancholisch kreisen seine Gedanken um das Krankenbett."
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.09.2001
Julia Encke vermutet, dass man für Kurzgeschichten aus der Notaufnahme wohl nicht viel Fantasie braucht, da die Geschichten von selber kommen. Dass der Autor, der selber Arzt ist, mit seinen Geschichten weder an "ER", die Fernsehserie noch an die typischen Erzeugnisse schreibender Ärzte erinnert, überrascht sie positiv. Sie preist das Buch als "schön" und freut sich, dass der Autor alle Aufgeregtheit vermissen lässt und sich auch nicht an den erzählerischen Seziertisch begibt. Sie sieht sich durch die Texte an "Protokolle" erinnert und lobt, dass Huyler seine Phantasie dort spielen lässt, wo es um das innere Erleben seines Ich-Erzählers geht.
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