Franz Fühmann

Über Gottfried Benn

Eine Rede
Cover: Über Gottfried Benn
Wallstein Verlag, Göttingen 2018
ISBN 9783835332409
Gebunden, 48 Seiten, 12,90 EUR

Klappentext

Franz Fühmanns Rede über den in der DDR verpönten Gottfried Benn 1981 war nur in einer kirchlichen Einrichtung möglich. Sie blieb ungedruckt, aber als Tondokument erhalten. Ein erstaunliches Zeugnis! In der DDR war Gottfried Benn lange eine Unperson. Er galt als zu sehr verstrickt mit den Nationalsozialisten; tatsächlich hatte er die "Bewegung" anfangs begrüßt, allerdings wandte er sich schnell davon ab, um in einer "aristokratischen Form der Emigration" zu überwintern. Der DDR blieb er dennoch hochverdächtig. 1981, und zu diesem Zeitpunkt war das absolut spektakulär, nennt Fühmann ihn in einer Rede in den Samariteranstalten Fürstenwalde/Spree einen der "größten deutschen Lyriker in diesem Jahrhundert". Sofort macht er klar, dass er Benn nicht nur schätzt, sondern ein intimer Kenner seines Werkes ist. Fühmann, selbst ein Schriftsteller, der sich seine eigenen politischen Irrtümer nicht verzeihen konnte (er hatte den Nazis angehangen und war nach 1945 ebenso blind den sozialistischen Parolen auf den Leim gegangen), sah in Benn insofern auch einen Gefährten. Er liest seine Gedichte als Kollege: Wie sind sie gemacht? Wie sind sie zu verstehen?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.06.2018

Rezensent Jürgen Verdofsky lobt Franz Fühmanns Vortrag über Benn von 1981 als Glanzstück ostdeutscher Gegenkultur, von den "ärgerlichen" Satzfehlern in der Ausgabe einmal abgesehen. Beispielhaft findet er, wie genau und mit Kenntnis eines Autors, der sich selbst in der NS-Ideologie verfangen hatte, Fühmann die Wendepunkte in Benns politischer Einstellung beschreibt. Dass Fühmann dennoch stets um die Güte der Bennschen Lyrik weiß und sein Urteil nicht moralisch, sondern poetisch ist, findet Verdofsky fein. Beeindruckend scheint ihm, wie der Autor den Dichter Benn so auch Unkundigen nahebringt, Leben und Werk rafft, ohne auszulassen. Als Leser ist Verdofsky allerdings gefordert, mitzudenken.

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