Franz-Theo Gottwald, Anita Krätzer

Irrweg Bioökonomie

Kritik an einem totalitären Ansatz
Cover: Irrweg Bioökonomie
Suhrkamp Verlag, Berlin 2014
ISBN 9783518260517
Kartoniert, 176 Seiten, 14,00 EUR

Klappentext

"Bioökonomie" klingt zunächst harmlos. Unter dieser Bezeichnung arbeitet jedoch ein Bündnis aus Biotechnologie-, Pharma-, Chemie-, Nahrungsmittel- und Agrarunternehmen an der kommerziellen Inbesitznahme alles Lebendigen. Die aktuelle Bundesregierung unterstützt diese Bestrebungen, etwa im Rahmen des Programms "Nationale Forschungsstrategie Bioökonomie 2030". Anita Krätzer und Franz-Theo Gottwald beleuchten ein Feld an der Schnittstelle von Wirtschaft, Politik und Forschung, das in den Medien noch selten thematisiert wird. Die Autoren machen auf Basis der zentralen Aktionsfelder der Bioökonomie auf Weichenstellungen aufmerksam, die Tiere und Pflanzen erklärtermaßen zur "Biomasse" degradieren - eine Entwicklung, die letztlich auch vor dem Menschen nicht haltmacht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.12.2014

Was Franz-Theo Gottwald und Anita Krätzer in ihrem Buch offenlegen, lässt Daniel-C. Schmidt das Blut in den Adern gefrieren. Subtiler, meint er, könnte sich Macht- und Geldgier wohl kaum verkleiden, als im Kostüm der Bioökonomie. Was sich hinter dem Begriff wirklich verbirgt, knallharte wirtschaftliche Ausbeutung aller biologischen Ressourcen, Gentechnik inklusive, zeigen ihm die Autoren, und auch wie dreist ein Interessengeflecht aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft mit Steuergeldern gegen Umweltschutz und nachhaltiges Wirtschaften arbeitet. Das harte Urteil der Autoren kann Schmidt gut nachvollziehen, vermisst im Buch allerdings den Hinweis auf die in seinen Augen vielversprechendste Lösung: die radikale Änderung unserer Konsumgewohnheiten.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.07.2014

Zwar sieht auch Felix Ekardt die überschwänglichen Plädoyers für mehr Bio-Wirtschaft keineswegs unkritisch, doch hat ihn das vorliegende Buch schon sehr verärgert. Allein wegen der Endlichkeit fossiler Ressourcen müssten dazu ja Alternativen entwickelt werden, schreibt er. Und den Hinweis der Autoren, dass auch nachwachsende Ressourcen endlich sind, will er auch nicht gelten lassen: Dann müsse man eben über sein Konsumverhalten nachdenken. Auch stört sich der Kritiker daran, dass das Buch immer wieder "den unterschwelligen Eindruck" erweckt, es habe in früheren Zeiten eine gemeinhin ökologischere, vor allem aber gesündere Lebenspraxis gegeben: Das Gegenteil sei der Fall. Schließlich findet er auch die hier suggestiv eingeflüsterte Idee vom Eigenwert der Natur ziemlich unterkomplex und ahistorisch: Es gebe keine Stasis in der Natur und ein vom Menschen und dessen Bedürfnissen losgelöster Begriff des Umweltschutzes läuft Gefahr, einen lediglich idealisierten Zustand von Natur bewahren zu wollen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.02.2014

Kritik an der Bioökonomie ist dem Rezensenten Thomas Weber durchaus willkommen. Nur müsste sie kenntnisreich sein und umfassend. Was die beiden Autoren Franz-Theo Gottwald und Anita Krätzer in ihrem Buch präsentieren, genügt laut Weber diesen Anforderungen nicht in ausreichendem Maß. Eine Streitschrift wie diese findet Weber zwar ehrenwert und teilweise auch informativ, doch scheinen ihm die Argumente der Autoren allzu oft unsolide und durchsetzt von blinden Flecken. Etwa, wenn Saatguthandel pauschal als monopolistisch dargestellt oder mechanistischen Erklärungsmodellen in der Biologie Linearität vorgehalten wird. Auch das Loblied der Autoren auf lokale Lösungen, klingt für Weber dissonant. Sein Vorschlag: ein Pragmatismus, der Lösungen an konkrete soziale und wirtschaftliche Kontexte anpasst.
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