Franz Walter

Joachim Fest

Ein Leben im 20. Jahrhundert
Cover: Joachim Fest
dtv, München 2026
ISBN 9783423285650
Gebunden, 720 Seiten, 36,00 EUR

Klappentext

Joachim Fest war einer der großen Intellektuellen der Bundesrepublik, Zugehöriger der Flak-Generation, Autor von Büchern mit Millionenauflage, Herausgeber der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung'. Dabei empfand er sich stets als ein Solitär, resistent gegen Moden und Zeitgeistigkeiten. Mit Jürgen Habermas, Günter Grass und Walter Jens führte er scharfe Auseinandersetzungen. Unermüdlich modellierte er an der Rolle des letzten Repräsentanten traditionsreicher Bürgerlichkeit, lenkte damit von seinem Lebenslauf als sozialer Aufsteiger ab. Der anfängliche Nonkonformist verwandelte sich schließlich in einen Konservativen und lebenslangen Gegner der "68er". Der Politikwissenschaftler und Historiker Franz Walter hat den gesamten Nachlass, sämtliche Briefe von Joachim Fest einsehen können. Auf dieser Grundlage und auf Basis anderer Archivfunde zeichnet er ein intellektuelles Porträt der Bundesrepublik und des Lebens von Joachim Fest.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.10.2026

Im Dezember vor hundert Jahren wurde Joachim Fest geboren, nun hat der Politikwissenschaftler Franz Walter eine Biografie über den Mann geschrieben, der für den Kritiker Konstantin Sakkas einer der wichtigsten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts war. Über das Buch erfährt man recht wenig, dafür rekapituliert Sakkas den Lebensweg Fests ausführlich: Aufgewachsen ist er in Berlin-Karlshorst in einem katholisch geprägten Elternhaus, sein Studium in Freiburg hat er nicht abgeschlossen, als Journalist hat er beim RIAS angefangen, später war er beim NDR, dann FAZ-Herausgeber und Feuilletonchef. 1973 schrieb Fest eine Hitler-Biografie, der der ganz große Erfolg versagt geblieben ist, die Sakkas aber hellsichtig scheint, weil sie die NS-Herrschaft als Aufstand des Kleinbürgertums analysiert. Dass er Speer bei dessen Memoiren zur Hand ging, wurde vielfach kritisiert, erinnert der Rezensent, das Thema Drittes Reich hat ihn zeitlebens beschäftigt. Auch den Humanismus Fests nimmt er unter die Lupe und begreift ihn als Zeichen seiner liberal-konservativen Grundhaltung. Abschließend gibt der Rezensent noch zu verstehen, der Politikwissenschaftler Walter, der sich ansonsten der Parteienforschung widmet, sei genau der richtige Autor für dieses Buch, denn er teile mit Fest die Eigenschaft, sich nicht auf eine Rolle festlegen zu lassen. 

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