Flakhelfer - das waren Jugendliche vor allem der Jahrgänge 1926 bis 1928, die in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs noch eingezogen wurden, um die Niederlage NS-Deutschlands weiter hinauszuzögern. Manch ein führender Kopf der Bundesrepublik Deutschland, der dieser Generation angehört, wurde in jungen Jahren als NSDAP-Mitglied geführt. Viele haben das verschwiegen oder vergessen, verleugnet oder verdrängt. Malte Herwig hat die 1945 auf abenteuerliche Weise gerettete Mitgliederkartei der Nazi-Partei gründlich gesichtet und ist auf viele bekannte Namen gestoßen. Herwig erzählt die Geschichte einer schuldlos schuldigen Verstrickung mit der NS-Vergangenheit, in der bedeutende Persönlichkeiten und besonders engagierte Demokraten eine zentrale Rolle spielen. Dabei entsteht das aufregende Bild einer von Widersprüchen zerrissenen Generation.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.05.2013
Als informativ und differenziert bezeichnet Rainer Blasius Malte Herwigs Studie zu der Frage, ob und wie jemand ohne eigenes Zutun und Wissen NSDAP-Mitglied werden konnte. Intensiv erscheint dem Rezensenten die Recherche des Autors in den 10 Millionen Karteiarten der NSDAP. Die prominenten Fälle, die Herwig herausfischt, Henze, Jens, Walser, Wellershoff u. a. vermitteln dem Rezensenten den "typischen Pragmatismus" der Zeitzeugen genauso, wie die Bedeutung von Erinnerungslücken.
Alexandra Senfft erzählt in ihrer kurzen Kritik zum vorliegenden Band zunächst, mit welcher Akribie Herwig nach Nazi-Akten von Protagonisten der Flakhelfer-Generation suchte und dass er - im Gegensatz zu vielen anderen Autoren - die Vorstellung ablehnt, man habe ohne eigenes Wissen in die NSdAP aufgenommen werden können. Diese Idee wurde von honorigen Repräsentanten der bundesrepublikanischen Kultur, nachdem ihre Mitgliedschaft aufgeflogen war, in die Welt gesetzt. Dennoch, so Senfft, verfährt Herwig keineswegs polemisch mit den Protagonisten dieser Generation - auch die Gespräche, die er mit Günter Grass, Erich Loest und Martin Walser führte, zeugten von großer Empathie und Bewunderung. Er sehe sie als unschuldig in Schuld Verstrickte und "fordert die Wahrheit, ohne anzuklagen", schließt die Rezensentin und erklärt sich mit diesem Ansatz, der eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit keineswegs überflüssig mache, einverstanden.
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