Die sozialdemokratische Arbeiterbewegung in Deutschland hat sich bis 1914 kontinuierlich entwickelt. Man trat optimistisch und zukunftsgewiss auf und wähnte sich im Einklang mit dem Fortschritt der Gesellschaft. Der Erste Weltkrieg und die gescheiterte Revolution von 1918/19 jedoch führten zu einem jähen Einschnitt. Gleichsam als Seismographen für die Krise in der Arbeiterbewegung der Zwischenkriegsjahre wirkten ihre Jugendorganisationen. Hier lebten sich die Zweifel am bisherigen Fortschrittsparadigma aus, hier traten Lebens- und Individualreform gleichwertig neben die klassische Gesellschaftsreform. Am Ende der Weimarer Republik hatten neue gesellschaftliche Bewegungen weit links und weit rechts an Terrain gewonnen; zudem verdrängten die kommerziellen Freizeitkulturen die überkommenen Verbandsangebote der sozialistischen Jugend in den Arbeiterquartieren der Industriestädte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.12.2011
Laut Eberhard Kolb kehrt der Autor mit diesem Buch zu seinen akademischen Wurzeln, zu seiner Dissertation etwa, zurück, aus der er hier sogar wörtlich zitiert, wie Kolb nicht gerade euphorisch feststellt. Eine gelungene, einfühlsame wie reflektierte Darstellung über die sozialdemokratische Parteijugend zwischen Kaiserreich und "Drittem Reich" ist dennoch bzw. gerade deshalb daraus geworden, wie der Rezensent im Weiteren festhält. Fundstücke für den Interessierten entdeckt der Rezensent in den von Franz Walter referierten Bereichen Verbandspraxis, Mitgliederentwicklung und Rekrutierung. Vor allem jedoch ist es die Arbeit der Jungsozialisten als heterogene Bildungs- und Diskussionsgemeinschaft, die Walter laut Kolb überaus präzise in den Blick nimmt, ihre Mentoren und ihr vielfältiges Nachwirken nach '45.
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