Lange Zeit war Fred Pearces Meinung zu invasiven, gebietsfremden Arten eindeutig: Bärenklau, Waschbär und Co. gehören nicht nach Mitteleuropa und bedrohen unsere heimische Tier- und Pflanzenwelt. Doch was, wenn unsere traditionelle Sicht auf die Natur falsch ist? Was, wenn echter Naturschutz gerade darin besteht, die Eindringlinge willkommen zu heißen?
Sein aktuelles Buch ist eine scharfe Kritik an einem rückwärtsgewandten Naturschutz, der invasive Arten zu Sündenböcken stempelt. Denn gerade in Zeiten des Klimawandels brauchen wir widerstandsfähige Arten, die unsere Natur bereichern und heilen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.07.2016
Mit einigem Erstaunen hat Rezensent Jörg Albrecht Fred Pearce Studie "Die neuen Wilden" gelesen. Gelten doch invasive Pflanzen und Tiere als eines der größten Probleme des 21. Jahrhunderts, informiert der Kritiker, der etwa auf die einst durch Schiffe auf die Vulkaninsel Gough gelangten Hausmäuse verweist, die unter den dort nisteten Brutvögeln ein wahrhaftes "Gemetzel" anrichten. Der britische Autor hat sich allerdings die Mühe gemacht, anhand einer Vielzahl von Fällen aufzuzeigen, dass die Warnungen der Invasivbiologen meist überzogen sind, fährt der Rezensent fort. Und so liest Albrecht mit Interesse, welche positiven Folgen der globale Wandel mit sich bringt: Am Beispiel des auf Puerto Rico siedelnden Coquifrosches, der sich neuen Lebensbedingungen immer wieder anpasst, weise Pearce etwa nach, dass "vitale Neuankömmlinge" das globale Ökosystem eher retten als zerstören. Mit Blick auf das von Pearce vorgetragene Fachwissen hätte sich der Kritiker allerdings einige Erklärungen gewünscht.
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