Die Schnittstelle von Leben und Tod ist Alltag in der Notaufnahme. Verzweiflung und Freude, Angst und Hoffnung liegen oft nur eine Zimmertür auseinander. Fred Sellin hat Rettungssanitäter, Ärzte und Krankenschwestern der Klinik Nord in Hamburg über Monate begleitet. Er war dabei, wenn sie mit Erfolg um Unfallopfer kämpften, wenn sie sich dem Tod geschlagen geben mussten. Er hat in erschöpfte Gesichter gesehen, intensive Interviews geführt und zu begreifen versucht, wie man mit den Bildern und der schier übermenschlichen Verantwortung lebt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2007
Fred Sellins Reportage aus der Notaufnahme eines großen Hamburger Krankenhauses hat Rezensent Gangolf Seitz letztlich nicht wirklich überzeugt. Zwar bescheinigt er dem Autor, einen genauen Blick auf die Abläufe der Ambulanz, die Arbeit von Ärzten, Polizisten, Krankenwagenfahrer und das Schicksal der Patienten zu werfen. Auch findet er das Buch gut geschrieben und spannend zu lesen, lobt es zudem als "authentisch und detailliert". Aber das Buch erscheint ihm zum einen unentschieden zwischen Reportage mit "viel persönlicher Anteilnahme" und "Doku-Soap ohne den Schaum einer durchgehenden Handlung". Zum anderen muss er dem Autor vorhalten, zu stark die Perspektive der Notaufnahme eingenommen zu haben und deren Tätigkeit nicht mehr kritisch zu befragen. Zudem vermisst er eine Auseinandersetzung mit problematischen Fragen des Gesundheitswesen, etwa der Trennung von stationärer und ambulanter Behandlung, der Undurchlässigkeits des Systems, der Abschottung der verschiedenen Einrichtungen gegeneinander. Die eigentlichen Probleme bleiben für Seitz in diesem Buch völlig unterbelichtet.
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