Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.02.2001
Michael Bauer bespricht anerkennend zwei Publikationen zu deutschen Schriftstellern der Nazizeit.
1. Friedrich Denk: "Die Zensur der Nachgeborenen. Zur regimekritischen Literatur im Dritten Reich".
Dieses bereits 1995 erschienene Buch lobt der Rezensent in einer knappen Betrachtung als "überzeugende" Darlegung der These, dass nicht alle Autoren, die im nationalsozialistischen Deutschland veröffentlichten, Nazis waren. Der Autor nehme Heimatdichter, christliche Schriftsteller und Autoren der "inneren Emigration" in Schutz, ohne ausgewiesene Regimebefürworter "posthum zu entnazifizieren oder zu verharmlosen", lobt der Rezensent. Seine Überlegungen zu einer Schriftstellerin wie Gertrud Fussenegger nähmen sich aus wie ein "pralles Nachschlagwerk" auch über andere Literaten. Außerdem werden hier erstmals, wie der Rezensent besonders lobend hervorhebt, die literarischen Beiträge des "Völkischen Beobachters" "detailliert ausgewertet".
2. Hans Sarkowicz/Alf Mentzer: "Literatur in Nazi-Deutschland".
Dieses Lexikon, das während der Nazizeit in Deutschland gebliebene Autoren aufführt, erhält die volle Zustimmung des Rezensenten. "Spannender" als die Kurzbiografien von "deutschtümelnden Opportunisten" erscheinen ihm dabei die Beiträge zu Autoren wie Huchel, Andersch und Weyrauch, und er lobt diese Artikel als besonders "behutsam" und "gewissenhaft". Er preist das Nachschlagewerk als auch 50 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus noch "lesenswert" und findet nur einen, wiewohl "gravierenden" Mangel: die vom Verlag bestimmte Beschränkung der Autorenzahl und der Länge der einzelnen Artikel auf ein "Minimum".
Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…