Friedrich Schorlemmer hat als Mitbegründer der Oppositionsbewegung in der DDR stets auf die Dialektik von Frieden, Freiheit, Menschen- und sozialen Rechten orientiert. Ebenso streitbar übt er in seinem neuen Buch Kritik an den Defiziten der parlamentarischen Demokratie in der Bundesrepublik und an Missständen in modernen Massengesellschaften. Seine Reflexionen über die Demagogie von Medien wie Parteien, die Rückkehr des Krieges nach Europa, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, Kampagnen gegen Ausländer und Asylbewerber entlarven alte und neue Feindbilder und Klischees
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.06.2001
Recht ungehalten äußert sich Rezensent Ralf Altenhof über Buch und Autor, dessen Märtyrer-Pose er mitunter nicht nur peinlich, sondern auch unfreiwillig komisch fand. Sehr genüsslich zitiert er Wolf Biermann, der den prominenten DDR-Ex-Dissidenten einmal einen "Ablasshändler zum Nulltarif" genannt hat. Es gebe niemanden, so Altenhof, der "so harte Worte für das SED-Regime" finden könne, dann aber seine Kritik "wundersamerweise" ins Gegenteil verkehre. Manche Positionen Schorlemmers fand der Rezensent sogar schwer mit der von ihm "befürworteten politischen und moralischen Aufarbeitung" in Einklang zu bringen. Lediglich die "Anhänger anheimelnder Predigten über Verständnisbereitschaft, Einfühlungsvermögen und Barmherzigkeit" kämen laut Altenhof auf ihre Kosten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 19.02.2001
Johannes Klotz preist das Buch des Theologen und Menschenrechtlers als Seltenheit, weil es sich "vorbehaltlos und dennoch sehr bestimmt" mit der Haltung der Ostdeutschen zu ihrer Vergangenheit auseinandersetzt. Schorlemmer setzt gängigen Vorurteilen über die DDR "Aufklärung" entgegen und führt "eindrucksvoll" vor wie man sich kritisch mit dem Kommunismus auseinandersetzen kann, lobt der Rezensent. Neben philosophischen Überlegungen zu den Auswirkungen von Freiheit auf den Einzelnen, fordere der Autor "Versöhnung" zwischen Opfern und Tätern des SED-Staates, was der Rezensent als "viel verlangt" bezeichnet, aber für "wünschenswert" hält.
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