Was qualifiziert einen Politiker zur Übernahme allerhöchster Verantwortung? Helmut Schmidt lässt sich bis heute von der Maxime leiten, der Politiker sei für die Folgen seines Handelns verantwortlich. Sein Beispiel in einem dramatischen Moment deutscher Geschichte zeigt die hohen ethischen, fachlichen und charakterlichen Ansprüche, die allein Menschen befähigen, für uns Entscheidungen zu fällen. Seit Helmut Schmidt 1969 Geheimszenarien bekannt wurden, die den deutschen Militärs die Entscheidung über einen "atomaren Gegenschlag" zugestanden, kämpfte er jahrelang auf allen Ebenen für die politische Kontrolle militärischer Instrumente. Nur so konnte er die Bundeswehr in die Regierungsverantwortung einbinden, das westliche Bündnis festigen und den Frieden zur Zeit des Kalten Krieges stärken.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.03.2009
Wie Detlev Bald mittels entsprechender Akten die Haltung des damaligen Verteidigungsministers Helmut Schmidt zu den Richtlinienverträgen der Nuklearen Planungsgruppe von Ende 1969 herausarbeitet, scheint Reiner Pommerin nicht sonderlich Eindruck gemacht zu haben. Außerdem vermutet Pommerin eine gewissen Befangenheit des Autors, der, wie er meint, als Mitarbeiter am Sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr an "den Militärs" gelitten haben mag und ihnen im Zusammenhang mit der Diskussionen über die atomaren Sperrmittelverträge nun "schlechte Noten" ausstellt. Pommerin kann dafür keinen anderen Grund finden, weiß er doch um die Abhängigkeit der deutschen Generäle von der Nato. Die von Bald betriebene "Bismarckisierung" Schmidts kann er gleichfalls nicht ohne Weiteres nachvollziehen. Pommerin erinnert daran, dass auch die anderen Bundesminister ebenso wie der Kanzler seinerzeit verantwortungsbewusst ihre Ämter ausübten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.03.2009
Man ahnt, dass Rezensent Wigbert Benz von diesem Buch sehr beeindruckt ist. Detlef Bald zeichnet darin offenbar nach, wie Helmut Schmidt als erster sozialdemokratischer Verteidigungsminister der Bundesrepublik gehörig mit dem Erbe seiner konservativen Vorgänger aufräumte. Dabei schaffte er den atomaren Minengürtel an der deutsch-deutschen Grenze, atomare Erstschlagsoptionen und einige Offiziere ab, die ihr militärisches Denken noch am Kartentisch des Führers gelernt zu haben schienen. Folgen kann man den insider-haften und eher unverständlichen Ausführungen des Rezensenten leider nicht immer, auch mit einem dezidierten Urteil zu diesem Buch hält Benz sich zurück.
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