Wir leben im Anthropozän. Die Menschheit hat der Erde ihren Stempel aufgedrückt: Es gibt mehr künstlich hergestellte als natürlich gewachsene Masse. Damit stellt sich auch die Frage nach der Verantwortung von Architektur: Sie soll die Welt bewohnbar machen, trägt aber durch immensen Ressourcenverbrauch und hohe CO2-Emissionen zur Zerstörung unserer Existenzgrundlagen bei. Wie kam es dazu? Und wie kann Architektur diese Entwicklung umkehren? Die Wurzeln des zerstörerischen Umgangs mit unserem Planeten liegen in unserer Geschichte. Friedrich von Borries nimmt deshalb die Perspektive zukünftiger Archäologen ein, die sich auf die Suche nach den charakteristischen Bauten unserer Zeit machen. Sie stoßen nicht nur auf repräsentative Architektur-Ikonen, sondern auch auf Müllverbrennungsanlagen und Serverparks, mehrstöckige Schweineställe und Saatgut-Tresore, die viel über unsere zerstörerische Produktions- und Lebensweise verraten. Friedrich von Borries zeichnet dabei ein Psychogramm fortgeschrittener Industriegesellschaften und wagt einen Ausblick auf eine zukünftige Architektur, in deren Mittelpunkt nicht allein der Mensch und seine Bedürfnisse stehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.03.2025
Rezensent Joseph Hanimann lernt im Buch von Friedrich von Borries allerhand Staunenswertes bzw. Erschreckendes kennen. Wie wir etwa durchs Bauen und Betonieren uns dauernd pathologisch in die Erdgeschichte einschreiben. Oder wie das architektonische Anthropozän "ins Stottern" kommt, Lösungsversuche (Grünflächen, Ökohäuser) aber nur Symptombehandlung bleiben. Dass Borries eine Menge Material, von Blumenberg bis Latour "verbaut", ist für Hanimann nicht immer angenehm, weil Zentrales im Buch oft nur gestreift wird. Insgesamt aber scheint ihm Borries ein "beeindruckendes Panorama" zu bieten, das den architektonischen Spuren des Anthropozän nachgeht.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 05.12.2024
Rezensent Benjamin Knödler lässt sich von Friedrich von Borries die Architektur und die Welt erklären und blickt anschließend mit anderen Augen auf letztere. Borries beschäftigt sich laut Knödler mit der Frage, wie Architektur im Zeitalter des Anthropozän, also der auch geologisch nachweisbaren Eingriffe der Menschen in natürliche Prozesse, zu bewerten ist. Er bedient sich dabei, lernen wir, einer ein wenig mysteriösen Gestalt namens Aia, die "spekulative Archäologie" betreibt, indem sie darüber nachdenkt, was derzeit existierende Bauten für die Zukunft unseres Planeten bedeuten. Insgesamt nichts Gutes, lernt Borries: Beton etwa, ein wichtiger Baustoff der Moderne, versiegelt Böden. Supermärkte und Bungalows zeigten an, dass wir über unsere Verhältnisse leben. Die Schlüsse, die Borries aus all dem zieht, sind kapitalismuskritisch, aber nicht frei von Hoffnung, fasst Knödler die ihn bereichernde Lektüre zusammen.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Florian Illies: Träume aus Feuer Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…