In den Jahren 1904 und 1905, also vor nunmehr 100 Jahren, veröffentlichte Max Weber seine inzwischen weltberühmte Studie "Die protestantische Ethik und der 'Geist' des Kapitalismus" als Aufsatz in zwei Folgen. Dieser löste unmittelbar nach Erscheinen die erste Kontroverse und später eine Flut von Sekundärliteratur aus. Viele Reaktionen auf die Studie, positive und negative, beruhen freilich auch darauf, daß Text und Kontext mißverstanden wurden. 100 Jahre danach ist die Diskussion um die Studie so lebendig wie eh und je. Für die Autoren der Beiträge in diesem Band war das Jubiläum Anlaß, abermals Text und Kontext zu bedenken. Mehr als sonst wurde dabei auch der Einfluß des Heidelberger Gelehrtenmilieus auf die Konzeption der Studie geprüft. Insbesondere interessierte das Verhältnis von Max Weber und Ernst Troeltsch, die in dieser Phase ihres Schaffens durch eine 'Fachmenschenfreundschaft' eng verbunden waren. Die Beiträge dieses Bandes entstammen einem Symposium, das im Frühjahr 2004 stattfand und an dem Weber- und Troeltsch-Forscher teilnahmen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.01.2006
In diesem Band begegnen sich zwei große Autoren, Klassiker des frühen 20. Jahrhunderts, Kombattanten der Wissenschaft zunächst, dann gingen ihre Wege auseinander. Herausgegeben ist der Band von Wolfgang Schluchter, der die große Max-Weber-Edition verantwortet und von Friedrich Wilhelm Graf, der die Werke Ernst Troeltsch ediert. Es ist auch die Begegnung von Soziologie und Religionswissenschaft, aber nicht als Verbindung von etwas Getrenntem, sondern als Diskussion um Prioritäten in enger Nachbarschaft. Max Weber war es, der den Kapitalismus aus dem Geist des Protestantismus erklärte. Enrst Troeltsch beharrte auf der Möglichkeit der Kultursynthese in der Gegenwart der Religionstradition. Max Weber verneinte, dass es "definitive Gewissheit über die verbindlichen Werte des menschlichen Handelns" geben könne. Der Rezensent Hans G. Kippenberg konzentriert sich auf einen Aufsatz von Hubert Treiber, der die Geschichte und das Argumentationsmilieu der bedeutenden Heidelberger Professorenvereinigung "Eranos" rekonstruiert. Darüber, wer hier warum gegen wen Stellung bezog, ist in der Rezension etwas zu erfahren. Der Sammelband als solcher gibt dem Rezensenten zu keiner expliziten Kritik Anlass.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.07.2005
Zufrieden zeigt sich Rezensent Stefan Breuer mit diesem Band, der Beiträge eines Symposiums zu Max Webers Protestantismusschrift versammelt, die vor hundert Jahren erstmals erschienen ist. In diesem Zusammenhang spricht er vom "Jubiläumsdilemma": Ein Jubiläum erzeuge einerseits Aufmerksamkeit, andererseits sei es vom Kalender abhängig und nicht vom Gang der Sache. So zwinge ein runder Geburtstag zu Reaktionen, auch wenn es vielleicht nicht viel Neues zu sagen gebe. Diese Problematik ist dem Band nach Ansicht Breuers anzumerken, Webers Protestantismusschrift werde nur am Rande gewürdigt: Nur zwei Beiträge widmen sich primär dieser Schrift und präsentierten, obwohl "klug und differenziert" keine neuen Einsichten. Ein zweites Indiz für das Jubiläumsdilemma sieht Breuer darin, dass der Band "großzügige Hilfe" bei der Troeltsch-Forschung sucht. Für die entsprechenden Beiträge hat Breuer dann aber doch lobende Worte parat. Gangolf Hübinger etwa arbeite pointiert die Unterschiede zwischen Webers juristisch-ökonomischer Perspektive und Troeltschs theologisch-philosophischem Geschichtsdenken heraus. Zu den Höhepunkten des Bandes zählt er Eckart Ottos Beitrag über Gemeinsamkeiten von Weber und Troeltsch sowie die "umfangreiche Studie" Hubert Treibers, die sich mit Weber und Troeltsch als Mitglieder des legendären Heidelberger Eranos-Kreises befasst.
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