Fritz Meyer

Ich unter anderem

Roman
Cover: Ich unter anderem
Atlantis Verlag, Zürich 2022
ISBN 9783715250113
Gebunden, 224 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus Fritz Meyers Roman, der im Zürich der frühen vierziger Jahre und in einer Stadt am Meer spielt, spricht ein Suchender. Ein Skiunfall mit kompliziertem Beinbruch fesselt den Erzähler, elternlos und Lehrling bei Spörri & Co, ein paar Monate ans Krankenhausbett. Bald empfindet er die regungslose Rückenlage als Zustand des Glücks. Der Blick nach oben, ins Offene, begünstigt das Denken, und er begibt sich in das Labyrinth des eigenen Selbst. Da warten die rückbezüglichen Tätigkeitswörter, die ihn schon immer verwirrten, Erinnerungen an Kindernächte in der Höhle des Elternhauses, die Entdeckung der Welt. Und die der Liebe. Wenn sie erwacht, braucht sie einen Gegenstand, sonst ist sie für nichts. Allein, Katharinas Anrufe sind ausgeblieben. Die junge Frau aus besseren Kreisen, die wie er Kurse an der Volkshochschule belegt und engagiert über Eros diskutiert, sieht er erst am Tag seiner Entlassung wieder - ein denkwürdiger Tag, an dem nichts mehr ist, wie es vorher war.Ich unter anderem zieht mit langen, atmenden Sätzen, die an Camus erinnern, in den Bann. Die Modernität in Ton und Erzählung des erstmals 1957 erschienen Romans versetzt in Erstaunen, und man stellt sich die Frage, wie es sein kann, dass eine solch hochinteressante literarische Stimme vollends in Vergessenheit geraten ist?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.04.2022

Rezensent Jürg Altwegg freut sich über die Wiederentdeckung des Schweizer Schriftstellers Fritz Meyer mit diesem Roman von 1957. Die Geschichte einer existenziellen Krise und einer erotischen Obsession erzählt der Autor laut Altwegg anhand von Träumen und Fantasien seines wegen eines Beinbruchs hospitalisierten Protagonisten. Wie Meyer in die Abgründe der Existenz führt, scheint Altwegg postmodern, auch, da Meyer im Fortgang der Handlung und der Auflösung des Erzähler-Ichs immer mehr auf eine zusammenhängende Handlung verzichtet, wie er feststellt. Eine Renaissance dieses Autors hält Altwegg für wünschenswert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.02.2022

Rezensent Roman Bucheli ahnt, warum der Schriftsteller Fritz Meyer und sein Werk verglühen mussten wie ein Komet. So nah wie Meyer in diesem Text kommt niemand der Verzweiflung und der metaphysischen Verlorenheit folgenlos, meint er. Die dreiteilige, etwas disparate Geschichte beginnt laut Bucheli mit den sexuellen Qualen und Fantasien eines ans Hospitalbett gefesselten Außenseiters und endet mit den Aufzeichnungen eines ernüchterten Träumers. Das "tollkühne Können" des Autors erkennt Bucheli im lakonisch entworfenen Psychogramm eines Elenden und der starken Bildlichkeit für das geschilderte Schicksal.
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