Nach dem Tod der Mutter findet der Erzähler in einer Schublade ein Album mit Fotos seiner frühen Kindheit, die er auf der Karibikinsel Trinidad und Tobago verbracht hat. Als junge Frau hatte sich die Tochter von "Stumpenarbeitern" aus dem Aargau in ein Abenteuer mit einem Tunichtgut der westindischen Oberschicht gestürzt und ein Kind bekommen. Während die übrige Familie bemüht ist, das Gedächtnis an die Jahre der Mutter bei den "Wilden" auszulöschen, macht sich der Erzähler auf, diese Geschichte, die auch seine eigene ist, zu retten. "Tabak und Schokolade" führt in den tropischen Dschungel einer britischen Kronkolonie der fünfziger und sechziger Jahre. Indem der Erzähler immer weiter zu seinen indischen Vorfahren, die als Kontraktarbeiter in die Karibik verschifft wurden, vordringt, legt er nicht nur einen Familienstammbaum, sondern auch ein Stück Kolonialgeschichte frei. Dem gegenüber wird die Erinnerung an das Aufwachsen im "Tabakhaus" der Großeltern im Aargau gestellt und die Annäherung an eine Mutter, die zu Lebzeiten stets unnahbar erschien.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2024
Feinsinnig nuanciert findet Rezensentin Ursula Scheer den Roman von Martin R. Dean, in dem er seine komplizierte Verbindung zu seinen beiden Herkunftsländern Trinidad und der Schweiz aufarbeitet: Seine Mutter ist im Juni 1956 mit dem Baby aus Port au Spain geflohen und hat mit einem anderen Mann aus Trinidad daraufhin in der Schweiz eine Familie gegründet, in der der Protagonist plötzlich Stiefkind war. Er reist in die Karibik, erklärt Scheer und er forscht dort nach der "Vergangenheit", denn nur diese ließen wir in unsere Gegenwart. Das Buch überzeugt die Kritikerin mit der komplexen Konfrontation zweier verschiedener Länder und dem Gefühl des Ausgeschlossenseins.
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