Gabriele Weingartner

Fräulein Schnitzler

Roman
Cover: Fräulein Schnitzler
Haymon Verlag, Innsbruck 2006
ISBN 9783852184999
Gebunden, 248 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Lili Cappellini, geborene Schnitzler, Tochter von Arthur und Olga Schnitzler, nimmt sich am 26. Juli 1928 neunzehnjährig in Venedig das Leben. Sie war hübsch und hochbegabt und der Augenstern ihres Vaters, der sie abgöttisch liebte. Selbst als sie sich in einen um vieles älteren italienischen Milizionär und überzeugten Faschisten verliebt, hintertreibt der Schriftsteller, liberal wie er ist, nicht die Heirat und unterstützt das mittellose Paar großzügig. Über die Gründe, die Lili in den Tod trieben, kann bestenfalls spekuliert werden: War es die überstürzte, nur kurze Zeit glückliche Ehe mit Arnoldo Cappellini? Die in der Familie Schnitzler grassierende Melancholie? Die Überforderung durch den Vater? Oder identifizierte sich Lili allzu sehr mit "Fräulein Else" aus der gleichnamigen Novelle, deren Lebensweg dem ihren erschreckend ähnelt? Gabriele Weingartner spürt in ihrem Roman diesen und anderen Mutmaßungen nach und bedient sich dabei einer literarischen Methode, die Arthur Schnitzler erfunden hat: einer Art innerem Monolog, der durch eine kontinuierliche äußere Handlung aufgebrochen wird. Lili reflektiert, zwei Tage vor ihrem Selbstmord, ihre kurze Vergangenheit, holt ihre privilegierten Wiener Jahre zurück und lässt die berühmten Freunde und Bekannten ihrer Eltern Revue passieren. Venedig erlebt sie nur mehr als Kulisse, hinter die sie nicht mehr dringen kann.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.07.2006

Wenig ist über den Selbstmord von Arthur Schnitzlers Tochter bekannt, viel habe die Autorin daraus gemacht, staunt und lobt Rezensent Franz Haas. Allerdings wisse man als Leser nie so genau, wie groß die Freiheiten denn nun sind, die sich Gabrielle Weingartner nehmen musste, um das Seelendrama der enttäuscht Verliebten in allen seinen Nuancen darzustellen. Abgesehen davon sei das Vorhaben aber nicht nur inhaltlich gelungen, konstatiert der Rezensent, auch formal brauche sich Gabriele Weingartner keineswegs vor den berühmten inneren Monologen Arthur Schnitzlers zu verstecken. Hier zieht Rezensent Franz Haas schließlich aber doch einen doppelten Boden ein, wenn es heißt: "meisterhaft epigonal".

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