Rund drei Jahrzehnte nach dem Erscheinen des Standardwerks "Geschichte der Schweiz und der Schweizer" im Jahr 1982 haben es sich 33 Historiker und Historikerinnen zur Aufgabe gemacht, eine den aktuellen Forschungsstand widerspiegelnde Geschichte der Schweiz von der Urzeit bis in die Gegenwart zu schreiben. Ergänzend zu den elf Epochenkapiteln werfen ausgesuchte Spezialistinnen und Spezialisten in 22 Beiträgen spezifische Blicke auf neuere historische Gebiete wie die Geschichte der Familien- und Verwandtschaftsbeziehungen oder diejenige unseres gesellschaftlichen Verhältnisses zur Umwelt. Klassische Themen wie das Wehrwesen, die Geschichte der Neutralität oder der direkten Demokratie werden auf der Grundlage neuester Ergebnisse behandelt. Gleich einem Objekt auf einer Bühne, das von verschiedenen Haupt- und Nebenscheinwerfern beleuchtet wird, ergibt sich durch diese unterschiedlichen Annäherungen eine Darstellung, welche die Komplexität der Geschichte ernst nimmt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.04.2014
Für Urs Hafner setzt dieser Sammelband zur Geschichte der Schweiz neue Maßstäbe für die kommenden Jahrzehnte. Dem laut Hafner eigentlich unmöglichen Ziel einer Nationalgeschichte kommt der Band mit seinen 33 Historiker- und Historikerinnen-Beiträgen erstaunlich nahe, findet der Rezensent. Und zwar nicht, indem er Führerfiguren fixiert oder das Nationale feiert, sondern indem er stilistisch lesbar, von Grafiken und Illustrationen gestützt, die Helvetik aufwertet. Wie? Durch Betonung des Revolutionären und der Konflikthaftigkeit in der schweizerisch-französischen Geschichte und die Darstellung der ökonomischen und kulturellen Verflechtungen der Schweiz, so Hafner. Besonders reizvoll findet er die Zwischenbetrachtungen zur Stadtgeschichte, zur Sozialpolitik, zur direkten Demokratie und zu den Fremden. So etwas hat Hafner in bisherigen Nationalhistoriografien immer gefehlt. Davon hätte er gern noch mehr gelesen.
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