Peter Handke, der am 6. Dezember 2002 60 Jahre alt wird, ist der wohl bedeutendste österreichische Dichter der Gegenwart. Avancierte er Ende der 60er-Jahre zum »Popstar« der deutschsprachigen Literatur, wurde es auch danach nicht ruhiger um ihn. Wie kaum ein anderer Autor verstand er es, die (literarische) Öffentlichkeit aufzuregen, sie in begeisterte Anhänger und strikte Gegner aufzuteilen. Zuletzt mit seinen umstrittenen Büchern, Statements und Lesungen zum Jugoslawien-Konflikt. Diese erste umfassende Biografie schildert den wundersamen Werdegang des aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Autors, dessen Theaterstücke später zu Sensationserfolgen und dessen Romane zu Bestsellern wurden - und der vielen nach wie vor als das Synonym für einen heutigen Dichter gilt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.12.2002
Georg Pichlers Handke-Biografie hat den "Jdl." zeichnenden Rezensent nicht völlig überzeugt. Zwar folge Pichler Peter Handke "treu" auf seinen "Pfaden der Selbstinszenierung", vom Eklat in Princeton im Jahr 1967 bis zu seinen pro-serbischen Auftritten der jüngsten Vergangenheit. Doch in den Kern dieses Lebens produktiver Widersprüchlichkeit dringt er zum Bedauern des Rezensenten nicht ein. Er kritisiert insbesondere, dass in Pichlers Porträt autobiografisches Material oft die Mühen der Biografie ersetze. So ziehe Pichler seine Zitate ausgiebig aus Handkes Lebensnotizen, seinen poetologischen Aufzeichnungen und den fiktionalisierten Kindheitserinnerungen der Romane und kompiliere die Texte anderer zu einem Porträt des Dichters. "An den Dichter selbst", so der Rezensent abschließend, "ist Pichler auch im wörtlichen Sinn nicht herangekommen." Das heißt, ganz kurz schon. Auf die Anfrage um Mitwirkung, soll Handke gesagt haben: "Machen Sie doch, was Sie wollen!"
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