Kurz vorm Verschrotten seines Laptops entdeckt Ringsgwandl in einem Winkel der Festplatte Notizen, die seine langjährige Tourbegleiterin Doris verfasst haben muss. Sie ergeben die Geschichte einer Frau, die mit elf als Babysitterin zur Familie kam, mit zwölf das erste Mal Platten bei einem Ringsgwandl-Konzert verkaufte und später sein Tourmanagement übernahm. Sie lernt Bett und Hirn von Toningenieuren, heroinsüchtigen Bassisten und Fernsehredakteuren kennen - den ganzen Zirkus des Showgeschäfts. Dann, mit Mitte dreißig, vernimmt sie das Ticken der biologischen Uhr und setzt sich mit reichlich Schwarzgeld ins Ausland ab.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.12.2023
Georg Ringsgwandl kennt Rezensent Edo Reents als etwas schrägen Rock 'n' Roller, der aber immer die nötige intellektuelle Distanz wahrt und sich über den Betrieb lustig machen kann. Jetzt hat er einen Roman geschrieben, den Reents mit seiner Herausgeberfiktion eher autobiografisch liest. Ringsgwandl ist im realen Leben auch Kardiologe, und zwischen Klinik und Tour spielt auch das Leben des Protagonisten: das ist so zermürbend wie uneitel, "voller Tempo und Mutterwitz", lobt Reents. Der Titelbegriff der "Tourschlampe" ist heute zwar aus gutem Grund nicht mehr gebräuchlich, räumt der Kritiker ein, auch nicht bei einer Managerin, die mit den Verkaufserfolgen der Band vor allem ihr eigenes Portemonnaie auffüllt. Aber Reents freut sich einfach, dass der Autor der Versuchung widersteht, sich selbst in allzu glänzendes Licht zu stellen und es dennoch vermag, einen "charmanten, humanen Roman" zu schreiben.
Rezensent Oliver Jungen vermisst den Dadaismus in Georg Ringsgwandls autobiografischem Tourtagebuch. Die Geschichte der Tourbegleiterin Doris führt Jungen zwar gefährlich nah heran an die chaotischen Lebenswirklichkeiten hinter der Bühne des großen Ringsgwandl und seiner Mitstreiter, insgesamt aber findet er das Buch doch etwas einfallslos, den Ton fad und die Details weniger grell als erwartet. Leider nicht mehr als ein "harmloser Kinderspaß", urteilt Jungen, der wohl doch lieber zum nächsten Konzert des rockenden Kardiologen pilgert.
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