Gerard Prunier

Darfur

Der uneindeutige Genozid
Cover: Darfur
Hamburger Edition, Hamburg 2007
ISBN 9783936096668
Gebunden, 250 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Mit zwei Übersichtskarten. Im Mai 2004 signalisierte ein Friedensabkommen das Ende eines mehr als zwanzigjährigen Bürgerkriegs zwischen der islamischen Regierung des Sudan und der Guerillabewegung im Süden des Landes; zu diesem Zeitpunkt drohte bereits die sogenannte Darfur-Krise im Westen zum ersten Genozid des 21. Jahrhunderts zu werden. Gerard Prunier erläutert nicht nur die Hintergründe und die Entstehungsgeschichte des Konflikts in Darfur, er verdeutlicht auch die Relevanz dieser Ereignisse für die Zukunft des afrikanischen Kontinents.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.04.2007

Ein "zorniges" Buch sieht Andreas Eckert in diesem Werk des französischen Politologen Gerard Prunier, der der Weltöffentlichkeit vorhält, dem Töten in Darfur gleichgültig gegenüber zu stehen. Er bescheinigt dem Autor, das komplexe Geschehen in Darfur detailliert zu durchleuchten, das Geflecht von Ursachen und Zusammenhängen kenntlich zu machen und den Kern des Konflikts herauszuarbeiten. Pruniers Erklärung dafür, warum die Regierung in Darfur eine "genozidale Politik" verfolge, hält er allerdings für nicht ganz überzeugend. Unklar bleibt, ob es nun um ethnische Differenzen, um Konkurrenz um knappe Ressourcen oder um die gewaltsame Aufteilung von Volk und Territorium geht. Er weist zudem darauf hin, dass sich Prunier bei der Frage, ob in Darfur nun ein Genozid stattfindet oder nicht, nicht festlegen wolle und daher von einen "uneindeutigen" Genozid spreche.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.03.2007

Überaus instruktiv findet Rezensent Jörg Später Gerard Pruniers Analyse des Darfur-Konflikts, der erst als Genozid weltweite Beachtung gefunden hat. Er würdigt den Historiker und Ostafrika-Spezialisten als Experten in dieser Thematik und verweist auf sein 1995 erschienenes Standardwerk über den Völkermord in Ruanda. Bemerkenswert scheint ihm, dass sich Prunier im vorliegenden Buch weniger für akademische Diskussionen um die Definition des Begriffs "Genozid" interessiert, als für die Benennung von Taten, Tätern und Tatorten. Gleichwohl hält er das Buch für theoretisch fundiert. So lerne man etwa, wie ethnische Konflikte entstehen. Deutlich wird für Später auch die historische Komplexität des Darfur-Konfliks. Besonders hebt er Pruniers "erfrischende Art" hervor, die profane Basis scheinbar kultureller Konflikte aufzudecken. Sein Fazit über das Buch: in analytischer wie in politischer Hinsicht "äußerst wertvoll".

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