Die Besetzung der Tschechei durch deutsche Truppen von 1939 bis 1945 und die anschließende Vertreibung der Sudetendeutschen von 1945 bis 1946 werden heutzutage gemeinhin als das "tschechischdeutsche Drama des 20. Jahrhunderts" wahrgenommen. Die Zeit davor löst sich im Nebel des Vergessens auf, dennoch strahlen diese Jahre bis 1939 auf die Zukunft ganz Europas aus: Es sind die Ereignisse jener Zeit, die direkt in den Zweiten Weltkrieg führen. Deshalb ist das tschechisch-deutsche Verhältnis von 1918 bis 1939 ein entscheidender und schicksalhafter Abschnitt der deutschen Geschichte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.05.2009
Kritisch geht Rainer F. Schmidt mit Gerd Schultze-Rhonhofs Buch "Das tschechisch-deutsche Drama 1918-1939" ins Gericht, das aus eher unerfindlichen Gründen seinen Platz auf den Sachbuch-Seiten der FAZ gefunden hat. Die Darstellung der ethnischen und territorialen Grundlagen der Tschechoslowakei, der revolutionären Entstehungsbedingungen des Staates bis 1920, der "Tschechisierung" des Gebiets und des Integrationsdefizit der Tschechoslowakei gehen für den Rezensenten dabei halbwegs in Ordnung. "Problematisch" aber findet er das Buch, wenn es um die Vorgeschichte und Folgen der Münchener Konferenz vom September 1938 geht. Schmidt hält dem Autor vor, die seriöse Forschung zu diesem Thema zu ignorieren und sich stattdessen auf höchst "zweifelhafte Literatur" zu stützen. Auch kommt er nicht umhin, ihm einen "Drall ins Zwielicht des Revisionismus" sowie zahlreiche "unhaltbare" Urteile anzukreiden. Außerdem bedient das Buch nach seiner Einschätzung Klischees, "die von rechtsradikaler Seite hochgehalten werden".
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