Eltern suchen oft jahrelang vergeblich Hilfe für ihr lernschwaches und verhaltensauffälliges Kind. Immer häufiger wird die Diagnose ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung) gestellt und medikamentös behandelt. Kritiker warnen vor der medikamentösen Therapie und sehen die Ursachen für ADHS vorrangig in ungünstigen Umwelteinflüssen. Vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen als Pädagogin und aus der Selbsthilfearbeit geht die Autorin den Gründen für diese oft tiefenpsychologisch motivierte Kritik nach. Sie stellt die Ursachen und Folgen der ADHS in einen Zusammenhang mit der Diskussion um erzieherische, schulische und gesellschaftliche Probleme. Mit zahlreichen authentischen Beispielen werden die großen Probleme ADHS-betroffener Familien dargestellt. Mediziner, Psychologen, Pädagogen, Soziologen und Juristen sowie Laien finden in diesem Buch wertvolle Informationen, die sie bisherige Annahmen vielleicht hinterfragen lassen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.05.2008
Gerhild Drües Buch über das Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) hat Nicole Becker nicht wirklich überzeugt. Sie hebt die starke biologisch-medizinische Ausrichtung der Autorin hervor, die ADHS als genetisch bedingt betrachtet, auf gestörte hirnphysiologische Prozesse zurückführt, für eine Behandlung mit Medikamenten plädiert und pädagogischen Ansätzen mit Ablehnung begegnet. Gleichwohl findet Becker nicht, dass das Buch wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Sie hält der Autorin etwa vor, die "grundlegenden Mechanismen der Hirnentwicklung" nicht verstanden zu haben und wichtige Fragen nicht zu stellen. Betroffene dürften nach ihrer Einschätzung Entlastung finden, nicht aber "neue Einsichten".
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