Drei große Gestalten der Musikgeschichte sind es, denen Gert Jonke zu verschiedenen Zeiten und in den unterschiedlichsten Weisen große Texte gewidmet hat. Dass Sprache und Musik Geschwister sind, beredte Melodien und klingende Sätze die Verwandtschaft spüren lassen, das gehört zu den Grunderfahrungen der Kunst. Wo aber bei der einen reine Form den Zauber macht, da treten bei der anderen Sinn und Geschehen hinzu. Gert Jonke, für den die Musik so lebensbestimmend ist wie die Dichtung, weiß das so zu amalgamisieren, daß wir vom Klang seiner Sprache nicht weniger entzückt sind als von der Klugheit der Musik, deren Harmonien selbst das Entsetzlichste besänftigen können. Er hat daraus eine einzigartige Porträtkunst entwickelt.
Gert Jonkes "fantasievoll zugespitzte" Geschichten aus dem Leben von Georg Friedrich Händel, Anton Webern und Lorenzo da Ponte wecken die Leidenschaft in Wolfram Goertz. Dieses Buch klingt, meint er, "diese Sätze sind nicht geschrieben, sondern komponiert", und veranschaulichen jeweils die Musik und den Charakter der Figuren, über die berichtet wird. So reihen sich im Händel-Kapitel die Wörter zu langen Gruppen zusammen, die an seine Koloraturen erinnern, bei Webern wird es dissonant, bei da Ponte mal vergnügt, mal wehmütig. Am stärksten sei der in der Sache kompetente und literarisch ambitionierte Autor vor allem dann, wenn es grotesk wird, notiert der Rezensent. Besonders in den letzten beiden Kapiteln scheint aber des öfteren der sprachliche Gaul mit Jonke durchzugehen, und Goertz klagt lauthals über nicht funktionierende Metaphern, Pleonasmen, vielsilbige "Wortungetüme" und unförmige Satzkomplexe.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.06.2006
Besonders die Händel-Geschichte hat es Rezensent Leopold Federmair angetan, hier erweise sich Gert Jonke einmal mehr als "Faltungskünstler" von Sprachstilen und Paradoxen. So richtig passend barock und arabesk, wie es sich eben bei Händel geziemt. Bei allen drei Texten, referiert der Rezensent, würden die Musiker als Ich-Erzähler auf ihr Leben zurückblicken, wobei es Jonke bei Händel um das "Geheimnis des Schöpferischen" gehe. Dabei komponiere er gewissermaßen dessen musikalisches Vermögen poetisch nach, mit allen sprachschöpferischen Ingredienzien, die einem Gert Jonke nun einmal zur Verfügung stehen. Nicht weniger als eine wunderbare und zugleich "skurrile" Hymne auf Händel sei so unter Gert Jonkes Händen entstanden.
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