Aus dem Spanischen von Elisabeth Müller. Das Leben der Schülerin Lucia verläuft streng und eintönig hinter den Mauern einer Klosterschule in Madrid, bis sich der Universitätsdozent Manuel in das Mädchen verliebt. Allzu ähnlich ist Lucia einer historischen Figur, die der Historiker mit Besessenheit erforscht: die unglückliche spanische Königin Johanna. Als "Johanna, die Wahnsinnige" ist sie in die Geschichte eingegangen, jene Königin, die vor 500 Jahren wegen ihrer Intelligenz, legitimer Machtansprüche und leidenschaftlicher Eifersucht als junge Frau bis zu ihrem Tod eingesperrt wurde. Raffiniert komponiert Gioconda Belli ihre Geschichte, indem sie die Historie mit der Gegenwart verknüpft: Durch das psychologische Geschick ihres Liebhabers taucht das Mädchen Lucia in das Leben der faszinierenden Königin Johanna ein, erlebt noch einmal deren Liebe und Leidenschaft und beinahe auch deren Untergang am eigenen Leib.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.04.2006
Kann man den Regungen großer historischer Gestalten auf die Schliche kommen? Nach der Lektüre von Gioconda Bellis voluminösem Roman über die spanische Königin Johanna, die als Johanna die Wahnsinnige in die Geschichte einging, will sich Kersten Knipp die Abbilder der Königin im Prado jedenfalls einmal genauer anschauen. Die Geschichte, schreibt er, sei "emotional in Szene gesetzt". Und wo sich Historiker bedeckt halten, eröffnet die Autorin dem Rezensenten einen aktualisierten Blick auf das Vergangene: "Vielleicht waren ihre Gefühle ja gar nicht so verschieden von denen heutiger junger Frauen". Das Rollenspiel des Romans, bei dem ein 17-jähriges Mädchen auf Weisung eines Historikers in die Kleider der Königin schlüpft, macht's möglich: Das Antlitz der historischen Gestalt, staunt Knipp, gewinnt, übersetzt in die Sprache der sensiblen Träumerin Lucia, "erheblich an Konturen" und die Gefühle tun "einen Sprung durch die Jahrhunderte".
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