Aus dem Italienischen von Moritz Rauchhaus. Der spanische Thronfolger Florio und die Waise Biancifiore wachsen gemeinsam auf und verlieben sich. Doch Florios Vater ist gegen die Verbindung und verkauft Biancifiore an Sklavenhändler nach Babylon. Unter dem Decknamen "Filocolo", "Liebesmüh", begibt sich Florio auf die abenteuerliche Suche nach seiner Geliebten. Nach unzähligen Irrungen und Wirrungen wird das Paar schließlich wieder vereint. Es ist eine spektakuläre Reise durch die großen und allergrößten Themen: Liebe, Krieg, Wahrheit, Herrschaft, Moral und die Frage nach dem Jenseits sind nur einige davon. Dabei ist Boccaccios "Filocolo" nicht nur die Wurzel seines weltberühmten "Decameron", er markiert auch die Geburtsstunde unseres heutigen Verständnisses von Literatur.
Anlässlich von Giovanni Boccaccios 650. Todestag kann Rezensent Dirk Fuhrig gleich drei neue Bücher von und über den italienischen Dichter entdecken: Eines davon ist die Biografie von Franziska Meier, die besonders den Ruf des "Anrüchigen" und "Skandalösen" beleuchtet, der den Dichter nach wie vor begleitet. Viele Fragen stellt Meier in ihrem Buch" Denn über Boccaccios Leben ist nach wie vor wenig bekannt. Auch über die "privaten Moralvorstellungen" seiner Mitmenschen weiß man wenig - fand dieses Schreiben, in dem es ja doch häufig um "Sex, Love Crime" Anklang in der florentinischen Gesellschaft? Auch die Rätsel um sein Alltagsleben, zum Beispiel seinen Beruf umkreist Meier, außerdem kann Fuhrig erfahren, was die "kleine Eiszeit" und die Pest mit seinem Wirken zu tun haben. Der Kritiker entdeckt den Dichter gerne mit dieser Biografie wieder. Dazu hat Meier auch Boccaccios "Die Klage der Madonna Fiammetta" neu übersetzt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2025
Eine interessante Lektüre ist dieses Buch vielleicht gerade deshalb, überlegt sich Rezensentin Christiane Pöhlmann, weil es kein reines Lesevergnügen ist. Einige Jahre bevor er mit dem "Decamerone" einen zeitlosen Klassiker vorlegt, verfasst Giovanni Boccaccio hier ein Werk, das als der erste italienische Prosaroman überhaupt gilt, das aber, beschreibt Pöhlmann, deutlich an ältere Versdichtungen anschließt. Der Stoff um zwei Liebende, Florio und Biancifiore, die aufgrund sozialer Differenz zunächst nicht zueinander kommen können, ist in der Literatur seiner Epoche - veröffentlicht wurde das Buch erstmals 1338 - allgegenwärtig. Boccaccios Version nun ist laut der Rezensentin ungeheuer geschwätzig, anstatt die Figuren psychologisch auszuarbeiten lässt der Autor andauernd irgendwelche Götter eingreifen, und auch sonst ist der Text schlicht unausgewogen und außerdem humorbefreit. Lohnt sich die Lektüre also nicht? Doch, tut sie wohl, argumentiert Pöhlmann, weil man an diesem Negativbeispiel gut sehen kann, warum der "Decamerone" später so erfolgreich war. Noch dazu ist die vorliegende Ausgabe durchweg hochwertig gestaltet, und auch die zahlreichen Fußnoten irritieren Pöhlmann nur auf den ersten Blick.
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