Giovanni Boccaccio ist bekannt als Wegbereiter der Renaissance und weltberühmt durch den Decameron mit seinen freizügigen erotischen Geschichten. Sein Leben ist jedoch von Rätseln umgeben, sein Werk von starken Spannungen durchzogen. Die Literaturwissenschaftlerin Franziska Meier zeigt ihn in ihrer Biographie als unruhigen Zeitgenossen eines krisengeschüttelten Jahrhunderts am Beginn der Neuzeit. Pandemie, Klimawandel, Bankenkrise, Staatsverschuldung und der politische Umschwung zur Oligarchie: Giovanni Boccaccio (1313 - 1375) war ein Seismograph all dieser Erschütterungen in seiner Zeit. Teils sinnenfroh, teils sittenstreng, traditionsbewusst und zukunftsgewandt reagierte er mit seinem vielfältigen Werk auf die Widersprüche einer Welt im Umbruch. Franziska Meier rekonstruiert seine Kindheit und Schulzeit in Florenz und die Folgen seiner unehelichen Geburt. Wir erleben ihn in Neapel, wo König Robert von Anjou residiert, in Florenz, der stolzen, reichen Commune, die politisch und ökonomisch ins Schlingern geriet, an den Höfen skrupelloser Alleinherrscher in der Romagna und in der Einsamkeit seines Alterssitzes Certaldo.
Viele Zeugnisse sind nicht aus dem Leben des italienischen Kaufmannssohns und Decamerone-Autors Giovanni Boccaccio erhalten, aber Franziska Meiers pünktlich zum 650. Todestag erschienene Biografie ist dennoch lesenswert, versichert Rezensent Alexander Cammann. Denn die Romanistin hat die Bruchstücke nicht nur klug rekonstruiert und füllt Leerstellen mit Vermutungen und Fragen - sie zeichnet auch äußerst lebendig den Lebensweg eines italienischen Intellektuellen aus der Oberschicht vom Mittelalter in die Renaissance nach, fährt der Kritiker fort. So amüsiert sich Cammann bestens mit Zitaten aus Boccaccios polemischen Briefen, erfährt, welche antiken Texte in den Decamerone Eingang fanden und wie kurios dessen Freundschaft mit Petrarca anfing.
Anlässlich von Giovanni Boccaccios 650. Todestag kann Rezensent Dirk Fuhrig gleich drei neue Bücher von und über den italienischen Dichter entdecken: Eines davon ist die Biografie von Franziska Meier, die besonders den Ruf des "Anrüchigen" und "Skandalösen" beleuchtet, der den Dichter nach wie vor begleitet. Viele Fragen stellt Meier in ihrem Buch" Denn über Boccaccios Leben ist nach wie vor wenig bekannt. Auch über die "privaten Moralvorstellungen" seiner Mitmenschen weiß man wenig - fand dieses Schreiben, in dem es ja doch häufig um "Sex, Love Crime" Anklang in der florentinischen Gesellschaft? Auch die Rätsel um sein Alltagsleben, zum Beispiel seinen Beruf umkreist Meier, außerdem kann Fuhrig erfahren, was die "kleine Eiszeit" und die Pest mit seinem Wirken zu tun haben. Der Kritiker entdeckt den Dichter gerne mit dieser Biografie wieder. Dazu hat Meier auch Boccaccios "Die Klage der Madonna Fiammetta" neu übersetzt.
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