Auf seine Interviews bereitet er sich sehr genau vor. Wenn es aber so weit ist, hat er kaum mehr als eine beschriebene Karteikarte dabei. Zurück kommt er mit den erstaunlichsten Bekenntnissen: Giovanni di Lorenzo hat in den vergangenen 33 Jahren Gespräche mit Zeitgenossen geführt, die sich an Wendepunkten ihres Lebens befinden oder endlich auf die größten Einschnitte zurückblicken können. Er hinterfragt das Medienbild, mit dem viele Prominente leben - immer auf der Lauer nach einem Moment der Authentizität: Mal entlockt er seinen Gesprächspartnern komische Offenbarungen, mal ganz und gar tragische. Und es überrascht, wie nah sie uns dabei kommen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.10.2014
Endlos staunend geht Nils Minkmar aus der Lektüre der in diesem Band versammelten Gespräche aus drei Jahrzehnten hervor, die der Journalist Giovanni di Lorenzo mit Personen des öffentlichen Lebens geführt hat. Was Helmut Dietl, Margot Käßmann, Karl-Theodor zu Guttenberg, Boris Becker u.a. so offenbaren, ist für Minkmar ein zeithistorischer Roman der jüngeren Vergangenheit. Schonungslos, da di Lorenzo sich nicht anbiedert, wie Minkmar versichert, sondern kühl die Auf- und Abbewegungen des Schicksals und des Ruhms registriert. Richtig interessant werden die Gespräche für den Rezensenten aber erst durch die für ihn spürbare intensive Vorbereitung und die philosophische, sich mit jedem Gesprächspartner jeweils neu formierende Haltung des Autors, die der Rezensent nachvollziehen kann. Gefühlsmäßig löst die Lektüre beim Rezensenten mal Rührung, mal Bestürzung aus angesichts der hier protokollierten menschlichen Erfahrungen mit dem vergangenen Jahrhundert. Fazit Minkmars: nicht ermüdend, nicht entmutigend.
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