Giulia Sissa

Die Lust und das böse Verlangen

Die Philosophie der Sucht
Cover: Die Lust und das böse Verlangen
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 1999
ISBN 9783608919172
gebunden, 254 Seiten, 29,65 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Christine Schmutz. Menschen sind unersättlich, sie wünschen, sie wollen, sie begehren und sind doch nie auf Dauer zu befriedigen. Die Philosophie der Sucht setzt mit dieser Aussage ein, die Plato als ausschlaggebend für die abendländische Geschichte von Kultur und Gesellschaft erkannte. Diese düstere Perspektive und ihre moderne Realität ? den Drogenkonsum ? unterzieht Sissa einer Kritik. Sie rückt die Faszination in den Blick, die von Drogen ausgeht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.04.2000

Einen "vorzüglichen Essay zum Problem der Drogensucht" nennt dies Francesco Mammone. Denn der Auorin ist, so findet er Rezensent, das Kunststück gelungen, jenseits des "pharmakologischen Calvinismus" eine philosophische Geschichte der Sucht zu schreiben, die trotz Rückbezug auf Plato und Einbeziehung allerneuester Befunde der Neuropharmakologie gut lesbar und verständlich geblieben ist. Dabei bewundert er nicht nur ihren "klaren und schönen Stil" (und lobt die Übersetzerin Christine Schmutz), sondern vollzieht auch die Argumentation des Essays nach: deren Neuheit besteht nämlich darin, sich zur Glücksuche der Drogenkonsumenten zunächst zu bekennen. Als Handlungsanweisung, so findet Mammone, lässt sich am Ende festhalten: "Sündigen, beichten, sich bessern, sündigen, beichten, sich bessern" und übersetzt das in die freudsche Anweisung des Erinnerns, Wiederholens und Durcharbeitens.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.03.2000

Nicht moralisierend wird hier über Opium- oder Alkoholsucht geschrieben, meint "upj" in einer Kurzbesprechung; vielmehr geht es um die Frage, ob "Glück" ein neurologischer Zustand sei, der ganz einfach mit Neuropharmaka erreicht werden kann. Die Autorin beschäftigt sich ausführlich, so die Besprechung, mit dem Unterschied zwischen einem Glück durch Drogen und einem, dem eine "Anstrengung vorausgeht". Unersättlichkeit, und damit Sucht, entstünde nur dort, kolportiert "ujp", wo Glück als chemisch leicht erreichbares Gefühl "wertlos und leer" geworden ist.

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