Gibt es einen Leselebenstintensee? Das glaubt eine Gruppe von Buchpersonen, die in die Buchberge aufbricht, um den See zu finden. Kann man dort am Buchwelthimmel vielleicht sogar die Nasen spitze des Verfassers sehen, der vornübergebeugt am Schreibtisch sitzt und diese Geschichte gerade schreibt?Im Roman "Der Leselebenstintensee" will die Gruppe unter Anleitung eines Lesers endlich herausfinden, wie sie alle zu ihrem buchweltlichen Leben, ihrer Bibliobiographie kommen. Dabei helfen ihnen Figuren aus dem "Zauberberg" von Thomas Mann, die sich dank ihres speziellen Romanthemas und ihres Aufenthaltes in den Buchweltbergen bereits in buchweltlichen Seinsfragen aus kennen …In diesem nachgelassenen Roman des im März 2020 verstorbenen deutsch-georgischen Autors spielt er noch einmal anhand des Lebens von Buchpersonen die großen Schicksalsfragen durch. In einem Nachwort erläutert Jörg Sundermeier die Hintergründe von Margwelaschwilis Werk.
Rezensentin Julia Hubernagel kann wenig anfangen mit der kuriosen Anlage von Giwi Margwelaschwilis posthum erschienenem Meta-Roman, der eigentlich gar keiner ist. Das Szenario: Ein Autor tritt in den Dialog mit seinen eigenen Figuren, schickt sie auf eine Reise durch das "buchweltliche Gebirge" hin zum "Leselebenstintensee", aus dem alle Figuren entspringen, und verhandelt mit ihnen über den Text. Da warnen die Figuren ihren Schöpfer dann etwa: "Man wird diesen Text als zu verspielt klassifizieren", wie Hubernagel skeptisch zitiert. Auch den philosophischen "Unterbau", den Margwelaschwili einziehe, vor allem mit Heidegger, findet die Kritikerin etwas gesucht und wenig fruchtbar; für sie spielt das alles im luftleeren Raum. Immerhin Mitgefühl für seine Figuren wecke der Autor bei der Leserschaft, räumt Hubernagel abschließend ein.
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