Die russische Literatur von 1820 bis 1920 ist ein Weltwunder: Mit neun Sternen, die nacheinander an einem zuvor dunklem Himmel über einem zivilisatorisch und politisch noch rückständigem Lande aufgingen. Zensur und Polizeiaufsicht engten die Schreibenden ein. Fünf von den Großen erlebten Verhaftungen, Verbannungen oder Prozesse. Einer wurde an die Kaukasusfront versetzt. Dostojewski büßte jenseits des Urals in Ketten. Aber in Russland ging es trotzdem vorwärts. Von einem Terrorregime, wie sie im vergangenen Jahrhundert grassierten, blieb der Zarenstaat scharf abgehoben. Die anwachsende Leserschaft erwartete viel von den Dichtern. Die sind dem, mit feinen Antennen, künstlerischer Kraft und bemerkenswertem Mut gerecht geworden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.04.2009
Über Ursprung und Größe der russischen Literatur erfährt Kerstin Holm in diesem Buch so einiges. Den Material- und Gedankenreichtum der Studie von Gottfried Schramm findet sie bemerkenswert, die Erklärung literarischer Fixsterne wie Puschkin, Gogol und Dostojewski im europäischen Kontext einleuchtend. Wenn Schramm das Wunder der russischen Literatur auf ihre Funktion als Surrogat für das gesamte geistige Leben Russlands zurückführt, bewundert Holm den nüchternen Blick des Verfassers. Kehrt Schramm das Anarchische Puschkins hervor, bescheinigt sie ihm einen Tiefenblick, der dem des Dichters zumindest nahe kommt.
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