Ein Wirtschaftsflüchtling macht sich auf die Reise... Die Flucht aus der Heimat, der lange
Weg mit Schlepperbanden, lebensgefährliche Bootspassagen und das Misstrauen im
Ankunftsland - was ein Deutscher im 18. Jahrhundert auf der Flucht nach Amerika erlebte ...
Das Risiko ist hoch - allein der lange Weg zur Küste verzehrt den Großteil des für die Flucht aufgesparten Geldes. Immer neue Gebühren und Bestechungsgelder für Schlepper fallen an, mancher Reisende ist völlig mittellos, wenn er es endlich zum Hafen geschafft
hat. Dort lagern Massen an Ausreisewilligen aus vielen Regionen Deutschlands in überteuerten und provisorischen Camps. Im Hafen herrschen fürchterliche Verhältnisse:
alle wollen auf die Schiffe, Kinder ertrinken beim Versuch, auf eins zu gelangen. Die Schiffspassage ist gefürchtet. Zurecht - alle Schiffe sind überfüllt und viele in schrecklichem Zustand. Mancher Kahn sinkt bei der Überfahrt, auf allen ist der Proviant mager und schlecht, zuweilen sterben die Reisenden auf der Überfahrt wie die Fliegen. Manche ertrinken, manche sterben an Auszehrung, Hunger oder durch Krankheiten - die schwachen Kinder und Frauen meist zuerst.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.05.2017
Rezensent Thorsten Gräbe freut sich, dass Gottlieb Mittelbergers erstmals 1756 erschienener Bericht über seine Amerika-Reise in einer neuen Ausgabe vorliegt. In den lebendigen Schilderungen des Württemberger Schulmeisters und Organisten, der eine in Heilbronn gebaute Orgel nach Philadelphia überführte, liest der Kritiker nicht nur unter welchen schlechten Bedingungen die Auswanderer an Bord untergebracht wurden, sondern folgt auch interessiert Mittelbergers der "Abschreckung" vor Auswanderung dienenden Schilderungen von Pennsylvania. Mit der Neuordnung des Textes in kürzere Passagen und den Worterklärungen in der Randspalte ist der Rezensent zufrieden, Wolfgang Hörners Einleitung erscheint ihm mit Blick auf einige Fehler jedoch nicht sorgfältig genug.
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