Aus dem Italienischen von Bruno Goetz. In der Kunst, mit wenigen Worten Stimmungen zu zaubern, ist Grazia Deledda bis heute unerreicht. Auf der abgeschiedenen Insel der Granatapfelbäume und der wilden Kaktusfeigen siedelt die Erzählerin ihr archaisch anmutendes Drama um Schuld und Sühne an. Wie Schilf im Wind finden sich die Insel-Menschen vom Schicksal erfasst, geknickt, zu Boden gedrückt und zuweilen wieder aufgerichtet. Was an Deleddas Prosa jedoch am meisten bezaubert, sind die poetischen Natur- und Landschaftsbeschreibungen ihrer Heimat Sardinien: an den Ufern der türkisen Flüsse gelbliche Binsen, von Silberfäden umsponnen, Mandel- und Pfirsichhaine vor stahlblauem Himmel, meergrünes Schilf und Palmengestrüpp, inmitten hügeliger Flure da und dort weiße Dörfer mit Glockentürmen, zerfallenes Gartengemäuer, abbröckelnde Hauswände, Überbleibsel von Höfen, dazwischen heilgebliebene Katen, und hoch darüber thronend eine schwarze Schlossruine.
Rezensentin Meike Albath freut sich über die schöne Neuausgabe dieses Sardinien-Epos, für das die Schriftstellerin Grazia Deledda 1926 den Literaturnobelpreis erhielt. "Schilf im Wind" erzählt von drei adeligen Schwestern, die mit ihrem Knecht den Niedergang ihres Guts erleben, erklärt Albath, wobei sich die familiären Konflikte immer wieder zu "hochtönender Dramatik" hochschraubten. Albath kann das gut verkraften. Aber sie lässt auch keinen Zweifel daran aufkommen, dass der Roman mit seinen lyrischen Naturschilderungen und magischen Momenten weniger der italienischen Moderne der zwanziger Jahre verhaftet ist als dem Roman des 19. Jahrhundert. Kein Wunder, denkt sich Albath: Deledda durfte nur vier Jahre zur Schule gehen, danach musste sie sich selbst ausbilden mit den Romanen von Hugo, Dumas, Flaubert und Tolstoi.
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