Gudmundur Oskarsson

Bankster

Roman
Cover: Bankster
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2011
ISBN 9783627001773
Gebunden, 254 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Isländischen von Anika Lüders. Es ist das Jahr 2008. Die Finanzkrise erschüttert das isländische Bankwesen, Island steuert auf die Staatspleite zu. Ohne vorherige Ankündigung verliert Markus über Nacht seinen Job bei seiner Bank. Völlig perplex angesichts der Tatsache, dass künftig der Verzehr von Foie gras bei Kerzenschein in ferne Vergangenheiten verbannt sein soll und dass 24 Stunden täglich ohne Arbeit bewältigt werden müssen, stürzt Markus in eine schwere Lebenskrise. Seine Lebensgefährtin Harpa verliert ebenfalls ihre Stelle als Bankerin, nimmt aber sofort einen Job als Aushilfslehrerin an. Dass sie ihn immer wieder vorsichtig auf seine Arbeitssuche anspricht, macht die Sache für ihn nicht besser. Auch ein kurzer Ausflug in die aufkeimende isländische Bürgerbewegung hilft nicht weiter. Markus klammert sich an sein Tagebuch, dem er seine Beobachtungen zur Lage der Nation anvertraut. Er scheint sich in seiner neuen Rolle zunehmend einzurichten. Doch Harpa hat ein Geheimnis, und als sie ihn von einem Tag auf den anderen verlässt, wird sein Leben erneut auf den Kopf gestellt. Mit seinem isländischem Humor und einem liebevollen Blick für seine Protagonisten erzählt Oskarsson von der persönlichen Krise eines jungen Mannes. Es ist zugleich das Porträt einer fortschrittsverwöhnten und profitgierigen Gesellschaft, deren ökonomischer Optimismus und blinder Wachstumsglaube jäh erschüttert werden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.10.2011

Uwe Stolzmann begrüßt zwei isländische Romane, die ein verstörendes und fesselndes Bild jenseits der traditionellen Islandklischees von Trollen, Elfen und sagenhaften Wikingern zeichnen. Gudmundur Oskarssons Roman präsentiert sich als Tagebuch des verzweifelten, weil mit der Finanzkrise abgestürzten Bankers Markus. Oskarssons Held sieht weder an seiner persönlichen noch an der Gesamtlage eine Eigenschuld, und man kann daraus schließen, dass er bei Gelegenheit die alten Zockermethoden wieder aufnehmen wird, meint der Rezensent. Für ihn ist dieser Roman damit nicht nur sehr "gut" geschrieben und kurzweilig zu lesen, sondern auch geistreich und aktuell.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2011

Zum Glück gibt es "sensible" Bücher wie Gudmundur Oskarssons Roman "Bankster", meint Rezensent Matthias Hannemann. Bücher, die zum Innehalten auffordern und den in solchen Momenten erlebten Schmerz festhalten, sowie es Oskarssons Protagonist Markus in seinen Tagebucheinträgen mache. Der Bankangestellte verarbeite darin nicht nur seinen Jobverlust während der isländischen Finanzkrise 2008, sondern reflektiere vor allem das Ende der Beziehung mit seiner Freundin Harpa, berichtet der Rezensent. In dieser Gewichtung sieht Hannemann die wesentliche Stärke dieses durchaus auch unterhaltsamen Buches, das 2009 mit dem isländischen Literaturpreis ausgezeichnet wurde: Oskarsson, selbst Bankangestellter, schildere weniger die Folgen der Wirtschaftskrise als vielmehr eine von "Gier, Lust und Egozentrik" geprägte Mentalität, die eine solche Krise - auch innerhalb einer Beziehung - erst ermögliche.
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