Guram Dotschanaschwili

Das erste Gewand

Roman
Cover: Das erste Gewand
Carl Hanser Verlag, München 2018
ISBN 9783446260139
Gebunden, 696 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Aus dem Georgischen von Susanne Kihm und Nikolos Lomtadse. Ein Fremder kommt in Domenicos Dorf und weckt in dem jungen Mann den Wunsch, die Welt kennenzulernen. Zuerst kommt er nach Feinstadt, ein Ort der guten Sitten; doch ist wirklich "alles in Oo-ordnung", wie der Nachtwächter ruft? Als Domenico seine große Liebe auf tragische Weise verliert, will er fort, nach Kamora. Dort regieren Willkür und Verbrechen - bis eine Gruppe Hirten aufbegehrt. Sie errichten Canudos, eine Stadt der Freiheit. Doch der Kampf gegen Kamora steht ihnen bevor. Das meistgelesene Buch in Georgien und - zur Zeit sowjetischer Herrschaft geschrieben - eine Parabel über das menschliche Dasein in Zeiten gesellschaftlicher und politischer Tyrannei.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 07.05.2019

Uli Hufen freut sich sehr über die deutsche Fassung von Guram Dotschanaschwili Roman von Susanne Kihm und Nikolos Lomtadse. Die Geschichte vom verlorenen Sohn, die der Autor mit allerhand biblischen und historischen Bezügen ins Mittelalter verlegt, ist laut Rezensent geprägt vom südamerikanischen magischen Realismus wie von der georgischen Dichtkunst und Bachs Polyphonie. Lesbar als historische Allegorie wie als philosophischer Roman erzählt der Text von den Lehr- und Wanderjahren eines Mannes, aber eigentlich von Stalin, der Revolution und dem Bürgerkrieg in Georgien in den neunziger Jahren. Für Hufen märchenhaft schöne Prosa.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.11.2018

Rezensent Tilman Spreckelsen empfiehlt diesen 1966 entstandenen Klassiker der georgischen Literatur von Guram Dotschanaschwili, einen Entwicklungsroman mit biblischen Konnotationen, der für den Rezensenten mehr zu bieten hat als Zeithistorisches. Ruhig, funkelnd und abgründig findet Spreckelsen Dotschanaschwilis Prosa, die Geschichte, meint er transzendiert das politische Thema der Unterdrückung und den Drang nach Freiheit durch das allgemeingültige Werden des jungen Protagonisten, der seinem Dorf entflieht und sich allerhand Wendungen und Enthüllungen, Gutem wie Bösem ausgesetzt sieht. Formal überzeugt den Rezensenten das Spiel mit Erzählsträngen, Perspektiven, Schauplätzen und Zeitebenen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2018

Wer Georgien verstehen will, muss dieses Buch lesen, meint Rezensentin Sonja Zekri. Guram Dotschanaschwilis Epos "Das erste Gewand" ist im Original bereits 1978 erschienen. Es ist ein "totales" Buch, erklärt Zekri und zählt auf: "biblische Parabel und mittelalterliche Queste, Stalinismus-Abrechnung und Gralslegende, magischer Realismus und Schlachtengemälde". Dem Nicht-Georgier mag das ein bisschen heftig vorkommen, doch die Georgier verehren Sprache und Literatur und haben überhaupt keine Hemmungen, Anleihen etwa aus der Antike zu machen, lernen wir. Die Geschichte selbst ist schnell erzählt: ein jungen Mann aus gutem Hause reist in die Fremde und lernt drei große Städte kennen: ein lebensfrohe, eine auf Folter beruhende paranoide und eine Stadt der Gerechten, die vernichtet wird. Es ist ein prächtiges Buch aus einer lebhaften Vergangenheit, auch wenn seine Lektionen - Liebe entsteht erst aus Leiden - für Zekri heute nicht mehr so überzeugend sind.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.09.2018

Für Rezensent Stephan Wackwitz gibt es keinen besseren Einstieg in Mentalität und Kultur Georgiens als Guram Dotschanaschwilis nun von Susanne Kihm und Nikolos Lomtadse laut Wackwitz plausibel übersetzten Klassiker. Mühsam durchaus sei die Lektüre, die mit ihrer literarischen Komplexität, spiritueller Tiefe und Welthaltigkeit allerhand Wissen über georgische Traditionen voraussetzt, meint Wackwitz. Die Mühe allerdings lohnt sich, versichert er. Der Leser bekommt Zugang zu einem zugleich hochtraditonellen wie avantgardistischen Werk, erklärt Wackwitz mit dem Hinweis auf den im Text wirksamen magischen Realismus a la Marquez, den ebenso im Buch herumspukenden Geist mittelalterlicher Aventiuren und dem georgischen Symbolismus. Turbulent und skurril sind die Figuren und Handlung, die Struktur des Buches allerdings findet er einfach, so wie bei einem Märchen.

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