Wenn Stillleben ins Rutschen geraten, ist danach nichts mehr, wie es war. Bei Herrn Frell hängen auf einmal keine Bilder mehr an den Wänden; ein Rendezvous führt seinen Sohn nach Kroatien, wo nichts ist, wie erwartet; ein Einbruch zeigt den Bewohnern, dass es so etwas wie eine Wohnung hinter der Wohnung gibt; und ein Buch, das immer wieder zu einer bestimmten Uhrzeit aus dem Regal fällt, wirft Ole Briddel völlig aus der Bahn. Was schlummert in den Tiefen unserer Existenz, was atmet dort und beißt die Zähne zusammen?"Das Geräusch der Stillleben" ist ein kunstvoll verwobenes Vexierspiel. Nebenfiguren einer Story werden in einer anderen zur Hauptfigur, Gegenstände wechseln von Erzählung zu Erzählung den Besitzer. Irgendwann hat das stille Leben eine Neigung von 56,75 Grad und ist nicht mehr aufzuhalten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.02.2024
Nicht durchweg ein Lesevergnügen ist Guy Helmingers Buch für Rezensent Thomas Combrink. Dabei gefallen ihm hier zumindest diejenigen Geschichten, die ökonomisch erzählt und auf eine Pointe hin entworfen sind, wie etwa die, in der eine Beziehung am Frühstückstisch in Gefahr zu geraten droht. Helminger bezeichnet die Geschichten als Stories, was laut Combrink eine knappe, pointensichere Form impliziert. Allerdings sind einige der Texte des Buches für den Rezensenten eher Erzählungen als Stories, dafür sind sie ihm zu langatmig und beschränken sich aufs Aufzählen von Ereignissen. Außerdem schreibt Helminger, so Combrinks Kritik, zwar lehrbuchhaft aber auch unliterarisch. Lobend hebt der insgesamt wenig überzeugte Rezensent hervor, dass die - untereinander teils lose verknüpften - Geschichten ein breites gesellschaftliches Panorama eröffnen.
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