Aus dem Isländischen von Karl-Ludwig Wetzig. Der fiktive kleine Ort Segulfjörður erlebt Sonnenschein satt. 1906, nach der vierten erfolgreichen Heringssaison, säumen bunte Holzhäuser den Fjord, am Hafen treffen ausländische Fischer auf einheimische Frauen und überall winkt die Chance auf schnell verdientes Geld. Auch für den jungen Waisen Gestur, der mittlerweile volljährig ist und sich kopfüber in diese neue Welt mit ihren ungeahnten Möglichkeiten stürzt. Doch dann holt das Schicksal zu einem fiesen Kinnhaken aus, der dem Treiben am Fjord ein jähes Ende setzt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.11.2023
672 Seiten jungmännliche Sexbesessenheit liefert Hallgrímur Helgason seinen Lesern in seinem neuen Roman, weiß Rezensent Matthias Hannemann zu berichten. Gestur, der Protagonist des Vorgängerbuches "60 Kilo Sonnenschein", ist inzwischen drei Jahre älter geworden, erfahren wir, Zeitpunkt der Handlung ist das frühe 20. Jahrhundert, eine Zeit, in der das Leben am Schauplatz des Romans, auf Island, noch hart und entbehrungsreich war. Gestur lebt in einer besseren Erdhütte, zeichnet Hannemann die Handlung nach, um ihn herum versammelt sind einige krude Gestalten, er selbst hat vor allem Frauen im Kopf. Die Sprache, in der Helgason Gesturs sexuelle Eskapaden schildert, kommt dem Rezensenten doch etwas arg vorgestrig-zotig vor, wobei der Autor gleichzeitig aufzeigt, dass die rustikale Lebensweise vergangener Zeiten vor allem auf Kosten der Frauen ging. Zu lang ist das Buch schon, findet Hannemann, der sich gleichwohl auf den Abschluss dieser erzählfreudigen und zutiefst unromantischen Trilogie freut.
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