Herausgegeben von Klaus Böldl, Andreas Vollmer und Julia Zernack. In der europäischen Literatur sind die Sagas einzig: nirgendwo als auf Island entstand eine solch spannende, in der Volkssprache abgefasste Prosaliteratur. Dashiel Hammet hat auf ihre Dialoge gelauscht, Borges bewunderte ihren zynischen Realismus, und ihre Gegenwärtigkeit verblüfft: betritt man heute die Landschaft ihrer Schauplätze, scheinen nur die alten Helden zu fehlen. Die 64 Sagas der neuen S. Fischer Edition erzählen vom Leben der ersten Siedler auf Island, von der Landnahme, ihren Hofgründungen, Familienfehden und Rechtsstreitigkeiten - und natürlich von ihren Fahrten, die nach Schottland, England und bis nach Rom führten, und nicht zuletzt zu dem legendär rauen Ruf der Isländer beitrugen, denn es ging dabei nicht immer friedlich zu.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.10.2011
Stephan Speicher hat sich mit Faszination aber auch mit dem Gefühl großer Fremdheit in einerseits ins Deutsche übersetzte, andererseits von Tilman Spreckelsen nacherzählte Isländische Sagas vertieft. Die in diesem Band versammelten "Isländersagas" beeindrucken ihn schon allein durch ihre schiere Menge, auf mehr als 3000 Seiten sind alle bekannten Familiensagas versammelt, die in der Zeit zwischen 870 und 1030 spielen und im 13. und 14. Jahrhundert aufgeschrieben wurden. Der Rezensent bringt den Inhalt auf die griffige Formel der Familienfehde, die immer aufs Neue in Racheakte münden, die weitere Vergeltungstaten nach sich ziehen. Das ist, wie er zugeben muss, mitunter etwas "öde", zumal die Lektüre durch unzählige Namen nicht wenig erschwert wird. Immerhin kann man hier nicht nur in eine "fremde Welt" sehen und mit diesem Band die Sagas in ihrer Gesamtheit überblicken. Es lässt sich somit auch mit eigenen Augen die gern gemachte Behauptung prüfen, dass diese Texte zur "Weltliteratur gehören", freut sich der Rezensent.
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