Jonas T. Bengtsson

Aminas Briefe

Roman
Cover: Aminas Briefe
Tropen Verlag, Stuttgart 2008
ISBN 9783608501001
Gebunden, 239 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Dänischen von Günther Frauenlob. Viele Jahre waren für den schizophrenen Janus, der zu Beginn des Romans aus einer psychiatrischen Anstalt entlassen wird, die Briefe seiner kurdischen Klassenkameradin Amina die einzige Verbindung zur Außenwelt. Doch eines Tages bricht der Kontakt ab. Er erfährt, dass seine Freundin mit einem gewalttätigen Kurden verheiratet ist. Und so macht sich Janus auf den Weg. Die Reise führt ihn an die Grenzen seiner Kultur, seines Verstehens und seiner seelischen Möglichkeiten, konfrontiert ihn mit Konflikten und Gewalt. "In einem Bus hat auch alles angefangen. Damals wusste ich nicht, dass ich krank war, ich dachte bloß, ich würde mich langweilen."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.12.2008

Christoph Bartmann kann sich nicht erwärmen für Jonas T. Bengtssons Debütroman "Aminas Briefe". Ein unbehagliches Gefühl hat ihn bei der Lektüre erfasst. Dies weniger wegen der "Hardcore-Handlung", die mit jeder Menge Wahnsinn, Drogen und brutaler Gewalt daherkommt, sondern wegen der Entscheidung des Autors, als Ich-Erzähler einen jungen Schizophrenen auftreten zu lassen, dessen Sprechen seines Erachtens allerdings wenig mit dem tatsächlichen Sprechen eines Kranken zu tun hat. Insofern kritisiert er auch Bengtssons Vorgehen, das Krankheitsbild eines Schizophrenen mit den erzähltechnischen Erfordernissen eines Genre-Romans zusammen zu bringen, als "moralisch zweifelhaft". Generell betrachtet er die Gewaltexzesse des Romans skeptisch und hält dem Autor vor, sozialrealistische Schilderungen nur deshalb zu bringen, um einen Vorwand für "möglichst drastisches und angeberisches Erzählen zu haben".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.2008

Peter Urban-Halle findet lobende, aber nüchterne Worte für dieses Debüt. Dass der junge dänische Autor Jonas T. Bengtsson sich viel vorgenommen hat mit dem Haufen elementarer Großstadt-Themen, die er anvisiert, weiß der Rezensent zu schätzen, vor allem, weil der Autor seinem Roman die Gestalt einer modernen Odyssee gibt. Das passt, meint Urban-Halle und liest die Geschichte des schizophrenen Janus im Kopenhagen unserer Tage als mal ruhigen, mal actiongeladenen und schroffen, hier und da klischeehaften, doch nie kitschigen sozialrealistischen Text.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2008

Aldo Keel hat sich von Jonas Bengtssons Romandebüt "Aminas Briefe" fesseln lassen, das neben aller Brutalität und Schonungslosigkeit aber auch Komik zu bieten hat, wie er erleichtert feststellt. Ein aus der Psychiatrie Entlassener macht sich auf die Suche nach seiner Schulfreundin Amina und wirft dabei nicht nur einen Blick in Kopenhagener Sozialämter, Frauenhäuser und schäbige Absteigen, sondern auch in die "islamische Parallelgesellschaft", erklärt der Rezensent. Das alles wird realistisch, mitunter recht gewalttätig, aber eben auch witzig erzählt, so Keel. Übrigens habe Bengtsson für diesen Roman, als er vor vier Jahren im dänischen Original erschien, einen Preis für das "beste Debüt" bekommen, sein zweiter Roman stehe kurz vor der Verfilmung, teilt der Rezensent abschließend mit.
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