Aus dem Isländischen von Karl-Ludwig Wetzig. Von einer märchenhaften Insel im Norden kommt ein junger Mann, um in München Malerei zu studieren. Er kennt weder Lokale noch Bier, aber er weiß genau, was er werden möchte: Künstler. Fast krank vor Schüchternheit muss sich der Student, ohne ein Wort Deutsch zu können, durchschlagen. Auch an der Kunstakademie bleibt er zunächst ein Außenseiter, denn mit den neuen Wilden kann er wenig anfangen. Und auch die Welt draußen ist viel kälter, als es auf Island je werden kann. Der Kalte Krieg ist auf seinem Höhepunkt, und so wacht er jeden Morgen mit der Sorge auf, dass der dritte Weltkrieg bereits begonnen hat. Und dann stellt sich auch noch heraus, dass er eine überaus seltsame Gabe hat, die ihn nicht gerade appetitlich macht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.02.2016
Aldo Keel hat sich amüsiert mit Hallgrimur Helgasons Initiationsgeschichte eines isländischen Künstlers im München des Jahres 1981. Der Bildungsroman "à l'islandaise", wie Keel ihn nennt, vermag den Kulturschock zwischen der Trübnis Reykjaviks und dem bierseligen München durchaus glaubhaft wiederzugeben, findet der Rezensent. Dazu passt gut der rotzlöffelige Stil, meint er, ist aber zugleich froh, dass der Autor in der Rückschau nicht besserwisserisch auftrumpft. Die von Unsicherheit und Heimweh geprägte grimmige Sinnsuche des jungen Mannes zwischen Bierseidel und Kotzbecher wird deutlich, versichert Keel.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.12.2015
Rezensent Alex Rühle findet Hallgrimur Helgasons neuen Roman "Seekrank in München" noch besser als seinen Erfolgsroman "101 Reykjavik". Amüsiert begleitet der Kritiker Helgasons Alter Ego Jung, der aus der isländischen Provinz nach München kommt, um Kunst zu studieren und nicht nur an der "Nachkriegseinfallslosigkeit" leidet, sondern auch daran, dass er ständig schwarzes Zeug erbricht, dass die Dinge um ihn herum in Brand versetzt. Mit größtem Vergnügen liest Rühle auch, wie sich der junge Kunststudent in qualvolle "Katastrophenkaskaden" manövriert und die neue Welt um ihn herum mit Staunen wahrnimmt. Ein wunderbarer Roman voller Surrealismus, Anarchie und Humor, schließt der Kritiker.
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