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Hannelore Schlaffer

Die intellektuelle Ehe

Der Plan vom Leben als Paar
Cover: Die intellektuelle Ehe
Carl Hanser Verlag, München 2011
ISBN 9783446236547
Gebunden, 224 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Getrennt wohnen oder zusammen, mit oder ohne Kinder, gegenseitige Treue oder offene Beziehung - dass Paare heute über all dies gleichberechtigt verhandeln können, hat eine heroische Vorgeschichte. Eine Avantgarde von Lebensreformern aus Soziologie, Psychologie und der Kunst stellte zu Beginn des 20. Jahrhunderts die traditionelle Ehe in Frage und entwarf eine neue Form des Lebens als Paar. Hannelore Schlaffer verfolgt die Debatten - von der Schwabinger Boheme bis zu dem illustren Verhältnis zwischen Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir. In ihrer Schilderung geglückter und misslungener Versuche ist ein Entwurf der modernen Ehe entstanden, der Denkstoff für alle ist, die sich auf ein Leben als Paar einlassen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.07.2011

Sehr eingenommen zeigt sich Constanze Neumann von Hannelore Schlaffers Essay über das Leben als Paar in den letzten beiden Jahrhunderten. Das ansprechende Buch führt ihr kundig vor Augen, wie sich Liebes- und Eheangelegenheiten in den letzten zweihundert Jahren - von der traditionellen Ehe über die Idee einer Verbindung von Liebe und Ehe bis zum Konzept der freien Ehe - gewandelt haben. Deutlich wird ihrer Ansicht nach auch, welche Rolle die Literatur und später der Film bei der Ausbildung eines modernen Verständnisses von Ehe und Liebe gespielt haben. Dass mit der zunehmenden Freiheit auch die Gefahr des Scheiterns wuchs, scheint eine Einsicht, die bei der Lektüre des "eleganten Essay" nicht ausbleibt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.06.2011

Das von Hannelore Schlaffer in diesem Buch erforschte Konzept der intellektuellen Ehe, das heißt  eines einem Entwurf folgenden Zusammenlebens (hier meist literarisch tätiger) Partner mit größtmöglichen Freiheiten für beide, hat das Experiment Partnerschaft für Sabine Fröhlich nicht weniger langweiliger werden lassen. Fröhlich verweist auf den postreformatorischen Stand der Dinge, die Scheidungsquote. Übrigens auch auf die von Schlaffer erwähnten "Opfer" der Libertinage, etwa, dasjenige der ihre Bedürfnisse zaghafter ausagierenden Frauen in den Beziehungen von Brecht und Weigel, Max Weber und Marianne Schnitger. Ganz so gleich wie gewünscht gestaltete es sich also nicht, erkennt die Rezensentin und anerkennt die enorme emotionale Kraftanstrengung und vor allem die Bereitschaft zu scheitern. Der Versuch, heißt das wohl, zählt in diesem Fall.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.04.2011

Am Ende vermag Kristina Maidt-Zinke nicht zu sagen, ob die Geschichte der intellektuellen Ehe heute als Erfolg zu sehen ist oder nicht. Bis dahin aber hat Hannelore Schlaffer die Rezensentin blendend und auf hohem Niveau unterhalten, wie es scheint. Schlaffer gibt den Erfahrungsbericht über die Ehe zwischen geistig tätigen Menschen, wie Zinke es umschreibt, eins der großen Projekte der Moderne in Absetzung von der Liebesheirat, in verschieden gewichtenden Abschnitten. Mal, so Zinke, dient die Romankunst des 19. Jahrhunderts mit Fontane als Maßstab, mal die Beziehung von Sartre und Beauvoir. Unterwegs vergegenwärtigt ihr die Autorin die um das Thema schwelenden Debatten und die unterschiedlichen Beweggründe (echter Reformwille oder Größenwahn) der Akteure. Bei den literarischen Belegen gelingt es Schlaffer, die Rezensentin mit dem ein oder anderen Schatz zu überraschen, immer verschafft die Engführung von Realität und Fiktion der Rezensentin Erkenntnisgewinn.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2011

So ganz glauben mag Rezensent Adam Soboczynski nicht mehr an die Verheißungen der intellektuellen Ehe, aber dankbar ist er ihren Pionieren doch dafür, dass sie ihr ein "Meer von Möglichkeiten" eröffnet haben. Er selbst hält ihre Experimente allerdings eher für gescheitert als geglückt, bei Helene Weigel und Bertolt Brecht spricht er nur noch von einer "Arbeitsbeziehung", bei der die Frau am Erfolg des Mannes mitarbeiten musste, bei Marianne und Max Weber sieht er als Ergebnis der Eheexperimente vor allem große und schwere Trümmer. Es wird jedoch nicht klar, ob dies auch die Autorin Hannelore Schlaffer so sieht, über ihr Buch und was er ihm entnommen hat, sagt Soboczynski kaum etwas. Sehr deutlich wird nur, dass Soboczynski Schlaffers "mit merklich nervösem Duktus" beschriebene Bewunderung für das Paar Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre nicht teilt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.03.2011

Dies ist keine Anleitung zum Glücklichsein zu zweit, das schickt Rezensentin Christine Pries ihrer Besprechung voraus. Schnell stellt sie fest, dass Hannelore Schlaffer ein sehr kluges Buch über das Konzept der intellektuellen Ehe verfasst hat, das sein Material langsam entdeckt und durchdringt. Vor den Leseraugen entsteht so das Bild einer Beziehungsart mit Schwerpunkt auf einem gleichberechtigten geistigen wie körperlichen Leben. So weit die Theorie. Welche Störfälle das Experiment mit sich brachte, lernt Pries bei Schlaffer sehr genau: Die Erotik ging flöten, und am Ende war es doch die Frau, die die höheren Kosten zu tragen hatte. Wie mühsam das Projekt im Einzelnen war, zeigt die Autorin Pries anhand verschiedener Quellen, ohne systematisch zu werden, aber doch anregend genug, dass die Rezensentin das Buch gerne liest.