Ein Immobilienhai ist Bertolt Brecht nie gewesen.Er hatte Besseres zu tun, um einer der erfolgreichsten Dichter aller Zeiten zu werden. Damit aber daraus was werden konnte, musste es bequem zugehen. Nicht nur Zigarren mussten zur Hand sein und die Frauen, die alles organisierten: ob im Berlin der zwanziger Jahre, ob im dänischen, schwedischen, finnischen und am Ende kalifornischen Exil, ob als Staatsdichter im Arbeiter und Bauerstaat DDR - eine geräumige Wohnung, besser noch ein ein Haus, und nicht irgendeins, ein bequemes musste sein. Stuhl und Tisch waren wichtig, und auch der fahrbare Untersatz musste stimmen. Seine ersten Autos bezahlte er mit Gedichten, später mit Schweizer Franken. Ursula Muscheler beschreibt mit Verve, Witz und Präzision, wie bei Brechts Lebensstil eher die alte als die in seinem Werk beschworene neue Zeit zum Zug kam - und die Frauen dafür sorgten,dass alles seine Ordnung hatte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.07.2024
Der Literaturwissenschaftler Detlev Schöttker hat Ursula Muschelers Darstellung von Bertolt Brechts Wohn- und Lebensstil mit Interesse gelesen. Die Architektin schildert darin die verschiedenen Domizile des wichtigen Schriftstellers - das Elternhaus in Augsburg, die in Wilmersdorf und, nach dem Krieg, in der Berliner Chausseestraße bezogenen Wohnungen ebenso wie verschiedene Ferienhäuser und die Stationen von Brechts Exil - und setzt sie mit Brechts Lebensweise in Verbindung. So bevorzugte er, wie Schöttker resümiert, ältere Häuser mit Holzmöbeln und geräumigen Zimmern. Dem Rezensenten gefällt besonders, wie gut sich die Autorin mit Brechts Gedichten auskennt und sie mit seinen Wohnorten in Verbindung setzt; zu kurz kommen ihm zufolge andere Werke wie die "Dreigroschenoper" und "Mutter Courage", die, so Schöttker, eng mit Brechts Wohn- und Lebensstil in Verbindung stehen. Als ein die Literatur zu Brecht bereicherndes Buch kann er Muschelers Monografie dennoch empfehlen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 10.06.2024
Einen schönen Einblick in die private Lebenswelt Bertolt Brechts bietet dieses Buch laut Rezensentin Elke Schlinsog. Ursula Muscheler setzt sich darin mit der Vorliebe Brechts für einen durchaus luxuriösen Lebensstil auseinander und unternimmt unter anderem einen Streifzug durch die verschiedenen wohligen und oft ziemlich ausladenden Häuser, in denen der Schriftsteller lebte. Brecht legte Wert auf edle Autos und Designermöbel, erfährt Schlinsog von Muscheler, auch seine Arbeiterhemden waren maßgeschneidert. Brecht war im Privaten ein Stilist und eher dem Alten als dem Neuen zugewandt, lernt die Rezensentin aus diesem Buch, das eine anregende, teils kuriose Perspektive auf seinen Protagonisten eröffnet.
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