Theodor Fontane ist der große Dichter des alten Preußen - und er war zugleich ein zutiefst moderner Charakter. Hans-Dieter Rutsch entdeckt diesen Fontane neu. Er erzählt sein Leben und erkundet seine Welt, seine Orte in ihrer historischen Dimension wie in ihrer Gegenwart. In Neuruppin, Fontanes Kindheitsstadt, steht noch die Apotheke, die der Vater durch Spielschulden verlor. Auch der Sohn wurde Apotheker, begann zu schreiben und wurde politisch. In der Revolution 1848 kämpfe Fontane auf den Berliner Barrikaden, und mit dreißig entschloss er sich zu einem Leben als freier Schriftsteller. Seine Wege führten ihn als Kriegsberichterstatter nach Paris, wo er als Spion verhaftet wurde, nach London, wo der die Nachtseiten der Industrialisierung sah; da ist aber auch das Sehnsuchtsland Schlesien; und immer wieder Brandenburg, wo der Romancier das Menschliche studierte. Für Fontane waren diese Reisen literarisch-journalistischer Auftrag, seine Familie ließ er oft in prekären Bedingungen zurück. Dieses Buch entdeckt einen hellsichtigen, in seiner Zeit neuartigen Dichter, der rastlos das frühmoderne Deutschland beschrieb und darin auch unsere Gegenwart, der sich schon damals nach Entschleunigung, Schlichtheit sehnte - einen doppelten Fontane, der unser Zeitgenosse ist.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.02.2019
Rezensent Burkhard Müller schmeckt Wahrheit in Hans-Dieter Rutschs Versuch, Fontanes Leben und vor allem seine Kindheit freudianisch zu deuten. Auch wenn der Autor zum Spekulieren neigt, kann er dem Rezensenten Fontane als Getriebenen vorstellen, dessen Unglück in der Kindheit zu suchen ist. Dass er dabei Kenntnisse der Biografie schon voraussetzt, nimmt Müller hin. Weniger leicht kommt er mit Rutschs Schreibe zurecht. Zu kurzatmig, auf Wirkung getrimmt und voller Plattitüden, meint er. Gelungen kann er das Buch nicht finden, aber doch vielleicht näher an der Wahrheit als die Biografien von Hans Dieter Zimmermann und Regina Dieterle.
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