Zuhause bleiben in der existenziellen Moderne ca. 1880-1930
Konstanz University Press, Göttingen 2026
ISBN
9783835391963 Gebunden, 295 Seiten, 34,00
EUR
Klappentext
"Endlich wohnen!" So lautet das Ziel von Millionen von Menschen, die in den wuchernden Metropolen und Agglomerationen vom späten 19. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg eine menschenwürdige Bleibe suchen. Hans-Georg von Arburg rekonstruiert den modernen Wohndiskurs in Architekturbüchern, Wohnzeitschriften, im Feuilleton der Tagespresse, in Werbefilmen und Publikumsausstellungen und untersucht dabei den vielseitigen Einsatz der Literatur, die das Thema promotet, kommentiert, reflektiert und kritisiert.Die heftig diskutierte "Wohnungsfrage" bleibt in der deutschsprachigen Öffentlichkeit von der Gründerzeit nach 1880 bis zur großen Depression um 1930 ein Dauerthema. Führende Akteure aus Architektur, Stadtplanung, Hygiene und Sozialpolitik machen immer wieder neue "ultimative" Lösungsvorschläge und lassen sich von wortgewandten Literaturproduzenten und bildmächtigen Medienschaffenden unterstützen. Die Frage, wie man in der unbehausten Moderne zuhause bleiben kann, provoziert existenzielle Narrative und kultiviert eschatologische Bildwelten. Von der lauten Propaganda für ein Neues Wohnen und dem oft leisen Protest dagegen handelt dieses Buch. Es beobachtet das Durcheinander von Wohnprogrammen und Alltagspraktiken an exemplarischen Szenen auf verschiedenen medialen Bühnen. Zehn Kapitel stellen das typisch moderne Residieren, Haushalten, Mieten, Siedeln, Logieren, Hausen, Campieren, Fahren, Spielen und Bleiben vor. Sie führen schon im frühen 20. Jahrhundert den erstaunlichen Zusammenhang von Neuem Wohnen und moderner Friedhofsreform vor Augen, der hundert Jahre später in die provokative Frage mündet, mit der IKEA die Bewohner dieser Welt ins 21. Jahrhundert schickt: "Wohnst du noch oder lebst du schon?"
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.09.2026
Rezensentin Wiebke Hüster schätzt Hans-Georg von Arburgs Buch über das Wohnen in der Moderne vor allem als Stoffsammlung, Lektüreanregung und Wiederbegegnung mit Autoren wie Walter Benjamin oder Maria Leitner. Mit seinen Beschreibungen des Wohnens in Zeiten des Umbruchs kann der Autor Hüster dagegen nur stellenweise überzeugen, etwa, wenn er im Kapitel "Hausen" auch über das Leben in Schützengräben schreibt, findet Hüster. Meist jedoch verhindert Arburgs selbstverliebtes und stilblütenreiches Sprachverständnis Hüsters Begeisterung und macht die Lektüre für sie eher anstrengend. Eine fehlende Distanz des Autors zum Beschreiben und Bewerten, konstatiert die Kritikerin außerdem. Wie das Wohnen durch Wirtschaft und Politik geprägt wurde, erscheint der Kritikerin an sich allerdings als spannende Frage.
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