Mit einem Vorwort von Friedrich Achleitner und einem Nachwort von Christian Kühn. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs ist Wien von einem Bauboom erfasst, der neben der Ost-Öffnung vor allem dem EU-Beitritt Österreichs sowie der fortschreitenden Globalisierung geschuldet ist; die Stadtväter sprechen von einer "zweiten Gründerzeit". Wie die Planungspolitik der Stadt Wien auf die neue Situation reagierte und welche politischen und wirtschaftlichen Motive dabei im Spiel sind, seziert Reinhard Seiß in diesem Buch. Unter Beistand von Planungs-und Archivmaterial bringt er ans Tageslicht, warum der Millennium Tower mehr als 60 Meter höher geworden ist als ursprünglich genehmigt, wie am Wienerberg ein Hochhausviertel ohne entsprechenden öffentlichen Verkehrsanschluss entstehen konnte oder auch, wer der Nutznießer von einem Wohnviertel ist, das sich über der meistbefahrenen Autobahn Österreichs befindet. Der komplexe Planungskrimi mündet in die alles entscheidende Frage "Wer baut Wien?" und zeichnet zugleich ein Sittenbild der politischen und demokratischen Kultur, das nicht nur auf die Donaumetropole zutrifft.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.03.2008
Ein Buch nicht nur für Wiener, findet Michael Frank. Wie aus durchdachter architektonischer Stadtplanung durch Profitgier und ahnungslose Politik Bausünden entstehen, dürfte schließlich auch andere Städtebewohner interessieren, so seine Vermutung. Den Band von Reinhard Seiss kann Frank auch aus anderen Gründen empfehlen, findet er darin doch profunde Daten und Details zu Wiens städtebaulicher Entwicklung, überzeugende Belege sowie "scharfe" Urteile. Dass Seiss eine mitunter eher verhaltene Polemik an den Tag legt, verwundert den Rezensenten angesichts der schreienden Dummheit der Wiener Baupolitik zwar ein wenig. Die Brisanz des Bandes steht für ihn jedoch außer Zweifel.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.03.2007
Höchst instruktiv scheint Paul Jandl dieses Buch über den anhaltenden Bauboom in Wien, das der österreichische Raumplaner und Architekturpublizist Reinhard Seiß vorgelegt hat. Bei der Lektüre von "Wer baut Wien" hat er gelernt, wer bei der baulichen Modernisierung der Stadt wirklich das Sagen hat: ein umtriebiges Konglomerat aus Bauträgern und Großarchitekten. Deutlich wird für Jandl auch: die Planung erfolgt erst im Nachhinein. Er attestiert dem Autor, an rund einem Dutzend Beispielen seit den achtziger Jahren die Entwicklung der Stadt vor Augen zu führen und den Widerstreit zwischen städtischen Utopien und partikularen Interessen zu veranschaulichen. Er würdigt die minuziöse Arbeitsweise von Seiß, seine überzeugende Dokumentation von Fakten, die beinahe "kriminalistische" Rekonstruktion der Umsetzung fragwürdiger Bauvorhaben. Sein Fazit: ein "provokantes Buch", "klug und höchst fundiert."
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…