Frauen erleben sich in ihrer Rolle als Mutter oft um wesentliche Aspekte ihrer Weiblichkeit reduziert, Eltern eigentümlich hilflos gegenüber den Wünschen und Verhaltensweisen ihrer Kinder. Kein Zweifel: Unser Selbstwertgefühl schwindet, immer mehr Menschen benötigen professionelle Hilfe. Doch woraus resultieren diese zunehmende psychische Labilität und ihre gesellschaftlichen Folgen? Hans-Joachim Maaz zeigt, wie sich in vielen Ich-Störungen des Erwachsenen eine grundsätzliche Störung des Mutter-Kind-Verhältnisses widerspiegelt. Hierfür steht die mythische Gestalt der Lilith, Adams erster Frau. Sie steht für Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung der Frau, für Sexualität, Lust und Selbstbestimmung, für den Verzicht auf eigene Kinder. Lilith ist die dunkle, die verleugnete Schwester Evas.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.04.2003
Einen Anti-Ödipus nennt Rezensent Gustav Falke dieses Buch von Hans-Joachim Maaz. Zunächst weil dieser Freuds Konzeption von Analyse überschreiten wolle. Dann aber vor allem, weil Maaz am Leitfaden des Mythos der Lilith einer anderen Seite von Weiblichkeit und Mütterlichkeit und deren Folgen nachgeht; also auch einem anderen Quell psychischen Leids. Schließlich ein Anti-Ödipus, weil dieser Quell mit der Durchsetzung des Leitbilds der selbstbestimmten Frau den Ödipus-Komplex empirisch verdrängt habe. Im Bilde Liliths lebten der Unmut über Mutterpflichten und enttäuschte Wünsche nach Gleichberechtigung fort, abgespalten und übersteigert zur lüsternen Verführerin und Kindsmörderin, fasst Falke Maaz These zusammen. Und die Mutter, die sich ihre Lilith-Anteile nicht eingestehe, werde dem Kind entweder durch kleine Gesten immerfort zu verstehen geben, dass es ungewollt ist, referiert Falke Maaz weiter, oder ihm aus schlechtem Gewissen überfürsorglich begegnen. Die daraus resultierenden Deformationen führe Maaz "fallbeispielreich", aber "vielleicht etwas ungeordnet" vor, schreibt Falke.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 19.03.2003
Kein gutes Haar lässt Eva Jaeggi an Hans-Joachim Maaz und seiner Studie über die Mutter als Verursacherin der allermeisten Frühstörungen des Kindes. In den fünfziger und sechziger Jahren wurde die Mutter als "pathogene Erscheinung" entdeckt, erklärt Jaeggi, mittlerweile sei die damalige recht einseitige Schuldzuweisung im Hinblick auf andere Umweltfaktoren abgeschwächt und diversifiziert worden. "Alle diese Diskussionen scheinen an Maaz vorbeigegangen zu sein", wundert sich die Rezensentin. Dass etwa die Frühstörungen zugenommen haben, nimmt Maaz einfach an, kritisiert Jaeggi, die komplexen Wechselwirkungen mit der Umwelt werden außer Acht gelassen. Vieles gehe in der "grandiosen Vereinfachung" von Maaz unter, und auch den "unerträglich moralisierenden Ton" kann Jaeggi nicht lange aushalten. Der Autor kommt ihr vor wie ein "naiver Prediger von Güte und Weisheit".
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