Hans Neuenfels ist einer der profiliertesten deutschen Opernregisseure, dessen Inszenierungen, zuletzt "Lohengrin? in Bayreuth, stets für heftige Kontroversen sorgen. Im "Bastardbuch? zieht er die vorläufige Bilanz seines Lebens und seines Schaffens als Theater- und Opernregisseur, als Schriftsteller, Dramatiker und Filmemacher. Seine Karriere begann 1964 am Theater am Naschmarkt in Wien. Als maßgeblicher Begründer des Regietheaters ist er dem Anspruch der gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzung auf der Bühne bis heute treu geblieben. Als kreativer Künstler war er zudem stets ein Grenzgänger.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.09.2011
Hans Neuenfels' autobiografisches "Bastardbuch", in dem der Theater- und Opernregisseur seine Lebenserinnerungen festhält, hält Wolfgang Schreiber für persönliche Notwendigkeit und es freut, fesselt und bewegt ihn als intensiver Streifzug durch das bundesrepublikanische Theaterleben. Der Autor geht darin seinen Erinnerungen, Fantasien, Reflexionen und Gefühlen nach und wirkt dabei zur Freude des Rezensenten nie angeberisch oder ruhmverwöhnt, obwohl er immerhin Sekretär von Max Ernst in Paris wurde und als Skandalregisseur Theater- und Operngeschichte schrieb, wie Schreiber betont. Jeder nostalgischen Anwandlung oder dem Wunsch nach "Rechtfertigung" abhold, überzeugen diese Erinnerungen den begeisterten Rezensenten nicht zuletzt durch ihre große Sprachkraft und Lebendigkeit und er findet sie insbesondere deshalb so faszinierend, weil es Neuenfels gelingt, die besondere "Atmosphäre" der Zeit einzufangen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.08.2011
"Famos" findet Rezensentin Irene Bazinger diese Autobiografie des Regisseurs Hans Neuenfels. Bazinger schätzt vor allem, dass Neuenfels seine Lebensstationen "ebenso persönlich wie sachlich" betrachte und dabei stets die Kunstwerke fokussiere, denen er sich gewidmet habe. Die von Neuenfels geschilderten Anekdoten ("wunderbar witzig") und Rückblicke auf die zahlreichen Skandalgeschichten seiner Laufbahn haben die Rezensentin zwar prächtig unterhalten. Was ihr aber am meisten Bewunderung abnötigt, sind Neuenfels' "strukturelle ästhetische Überlegungen" zu den einzelnen Inszenierungen seiner Karriere. Durchweg beeindruckend seien Intellekt und Eloquenz des chronisch unangepassten Regisseurs, der überdies mitreißend zu erzählen verstehe. Und auch über die ergänzende Ausstattung des Buches - Werkverzeichnis, Register, Bildteil - hat die Kritikerin nur Gutes zu berichten.
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