Hans-Ulrich Treichel

Südraum Leipzig

Gedichte
Cover: Südraum Leipzig
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783518418734
Gebunden, 92 Seiten, 14,80 EUR

Klappentext

"Schreiben Sie eigentlich noch Gedichte?" heißt es am Schluss des Lyrikbandes von Hans-Ulrich Treichel, der Gedichte aus den vergangenen zehn Jahren versammelt. "Nur wenn ich will / Nur wenn es sein muß / Sonst nie", lautet die Antwort. In den Gedichten, die zwischen Heiterkeit, Selbstironie, Verspieltheit und existentiellem Ernst oszillieren, werden vom Autor eigene Lebensspuren erkundet: Dazu gehört Berlin, wo er, der "alte Berliner / echt aus Westfalen", ganz "antizyklisch" nach Kreuzberg radelt oder uns zuwinkt aus dem "blühenden Lankwitz". Dazu gehört das Leben im "Südraum Leipzig", mit "Schreibaufgaben", der Sommerhitze im Clara-Zetkin- Park, dem "schmerzenden Knie" und der Braunkohleluft in Plagwitz. Dazu gehören Reisen in alle möglichen Weltgegenden und natürlich in die deutsche Provinz: "Irgendwo müßt ihr doch sein / Urahnen ihr / meine Wurzeln." Und keinesfalls zu vergessen: das Glück der Liebe und ihre Paradoxien, diese immerwährende Bewegung "Von dir zu / Auf mich fort", wie es in dem Gedicht "Herzschlag" heißt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.09.2007

Sehr wohlwollend berichtet Rezensent Wulf Segebrecht von seinen Lektüreerfahrungen mit Hans-Ulrich Treichels Gedichten. Anfangs leicht irritiert über die biografische Konkretheit der Texte, in denen er kein "künstlich vorgeschobenes" lyrisches Ich auszumachen vermag, wird ihm bald klar: Es geht um ironische Selbstkritik. Allerdings erfährt der Rezensent sie bald als mit Witz lockende Kritik, "die sich verallgemeinern lässt". Ein Segebrecht nicht ungefährlich erscheinendes Verfahren zwischen autobiografischer Verspieltheit und Spiegelung allgemeiner Zustände. Dass nirgends Pathos oder Belehrung lauert, gefällt dem Rezensenten dafür um so besser. Eine derart unprofessoral lockere Lyrik mit doppeltem Boden scheint ihm gut zu gefallen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2007

Nicht wirklich erwärmen kann sich Rezensent Nico Bleutge für diesen Band mit neuen Gedichten von Hans-Ulrich Treichel. Auf jeden Fall hätte er ein wenig mehr erwartet. So vergleicht er den Band mit einem aus dem Jahr 1994, um festzustellen, dass sich bei dem Autor seither nicht viel bewegt hat. Die Gedichte, die meistens ziemlich gewöhnliche Situationen aus dem Leben des Dichters verarbeiten, scheinen ihm fast alle recht uninteressant, bisweilen sogar öde. Vermutlich auch, weil er mit Treichels "Wiederbelebung der neuen Subjektivität" nicht viel anfangen kann. Er vermisst an diesen Gedichten schlicht den "Witz", die "Lust an der Gestaltung" und das "Spiel mit der Sprache".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.08.2007

Ein vernichtendes Urteil fällt Tobias Lehmkuhl über die Gedichte des Bandes "Südraum" von Hans-Ulrich Treichel: Einschläfernd, belanglos, "gefällig" sind die Attribute, die dem Rezensenten in den Sinn kommen, und er stellt verärgert fest, dass die Gedichte einer leicht zu durchschauenden, dabei nicht sehr originellen Machart folgen: Der Autor eröffne seine Texte mit atmosphärischen Bildern, mixe ein bisschen Küchenphilosophie hinein und ende mit einer "mehr oder weniger originellen" Pointe, so Lehmkuhl gelangweilt. Ohne Leichtigkeit, dafür in dahinplätschernder Beliebigkeit in Form und Inhalt erinnern ihn die Verse an Gedichte, die der Autor bereits in den 80er Jahren vorgelegt hat, wie der Rezensent etwas boshaft anmerkt.
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