Oscar Martinez

Eine Geschichte der Gewalt

Leben und Sterben in Lateinamerika
Cover: Eine Geschichte der Gewalt
Antje Kunstmann Verlag, München 2016
ISBN 9783956140990
Gebunden, 304 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Hans-Joachim Hartstein. In den Staaten Zentralamerikas herrscht das organisierte Verbrechen. Die strategische Lage hat Länder wie Guatemala, Honduras, El Salvador und Nicaragua zu wichtigen Transitländern des internationalen Drogenhandels gemacht und ihnen die höchsten Mordraten der Welt gebracht. Das staatliche Machtvakuum in diesen Ländern haben längst organisierte Banden wie die Mara Salvatrucha oder Barrio 18 besetzt - hier herrscht das Gesetz von Klingen und Kugeln. Óscar Martínez berichtet von Brunnen, die sich mit Leichen füllen, von Kronzeugen, die der Staat vergessen hat, von jugendlichen Killern, die für einen Beutel Gras töten und von dem profitablen Geschäft der internationalen Kartelle mit Kokain und Migranten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.07.2016

Der Titel für diese Reportagensammlung scheint gut gewählt, liest man Cord Aschenbrenners Rezension. Oscar Martinez hat über Jahre mit Polizisten, Staatsanwälten, Politikern und Kriminellen in Mittelamerika gesprochen und zeichnet ein deprimierendes Bild dieser Gesellschaften: Die Kriminalität ist so ausufernd und brutal, dass sie jedes zivile Leben zu vernichten scheint. Die Politik hat aufgegeben und lässt ihre Bürger ungeschützt, oder ist korrupt und macht mit den Banden gemeinsame Sache, lernt Aschenbrenner. Martinez nennt die Dinge beim Namen, ist genau, ohne den blutigen Schrecken auszumalen, so der Rezensent, den gerade diese nüchterne Darstellungsweise und die Hoffnungslosigkeit, die sie offenbart, erschüttert hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.06.2016

Rezensent Josef Oehrlein liest Oscar Martinez Studie über die "Geschichte der Gewalt" in Zentralamerika mit angehaltenem Atem. Bei dem salvadorianischen Journalisten und Schriftsteller, der für seine Recherchen häufig unter Lebensgefahr Orte der Gewalt aufsuchte und Gespräche mit Opfern, Tätern, Mitwissern, Polizisten und Politikern führte, erfährt der Kritiker nicht nur, wie brutal etwa die als "Maras" bezeichneten Jugendbanden bei ihren Raubzügen vorgehen, sondern auch, wie Behörden und Regierungen in die Korruption verwickelt sind. Martinez zeichnet ein dichtes und vor allem lebhaftes Bild der Bürgerkriege, des Drogenhandels, der Morde, Vergewaltigungen und politischen Kriminalität in Zentralamerika, lobt der Rezensent, der diesen Sammelband voller brillant miteinander verbundener Reportagen unbedingt empfehlen kann.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.03.2016

In seinen Reportagen beschreibt Óscar Martínez schon lange das Schicksal der Flüchtlinge Zentralamerikas, erzählt Rezensent Thomas Speckmann. Mit "Eine Geschichte der Gewalt" ist jetzt eine beeindruckende Sammlung dieser Reportagen erschienen, lobt der Rezensent. Das Buch gliedert sich in drei Teile, deren erste beide sich mit der Ausgangslage in den Heimatländern der Flüchtlinge befassen, mit dem Rückzug des Staates und dem Vormarsch des organisierten Verbrechens, während der dritte ihrem Weg in die USA folgt und die Schrecken, die auch er noch für sie bereit hält, fasst Speckmann zusammen. Nicht zuletzt könnte Martínez' Buch helfen, auch jene Menschen besser zu verstehen, die derzeit an Europas Grenzen stehen, meint der Rezensent, so eine Lektüreempfehlung aussprechend.

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